cpo
Seit Beginn der 80er Jahre gibt es das Label cpo (classic production osnabrück) als Plattenfirma des Versandhandelshauses jpc. Von Anfang an hat sich cpo auf klingende Raritäten spezialisiert und sich damit Meriten erworben. Komponisten und Werke tauch(t)en aus der Tiefe der Geschichte und der Gegenwart auf, von denen einiges mittlerweile zum Begriff geworden ist: Allan Pettersson, Erich Wolfgang Korngold, Robert Volkmann, die einzige erhaltene Oper von Heinrich Ignaz Franz Biber und vieles mehr. Dabei ging es nicht nur um unbekannte Tonsetzer, sondern auch um vernachlässigte Werke bekannter Komponisten, etwa mit einer Gesamtaufnahme der Lieder von Hans Pfitzner, sämtlicher Lieder Carl Loewes, wie überhaupt ein gewisser Drang nach der Totalen zu erkennen ist. cpo bietet umfangreiche Werkschauen von Paul Hindemith, Ludwig Spohr, Johann Christian Bach, Darius Milhaud oder Hans Pfitzner.
Label-Highlights
Leopold van der Pals
String Quartets Vol. 2
Ulla Miilmann • Van Der Pals Quartet
cpo 555 743-2
1 CD • 68min • 2024
16.03.2026 • 10 10 10
Der 1884 in St. Petersburg als Sohn eines Holländers und einer Dänin in eine wohlhabende Familie geborene Leopold van der Pals konnte Zeit seines Lebens ohne existenzielle Not komponieren und hinterließ bei seinem Tod 1966 in Dornach bei Basel ein umfangreiches Œuvre in vielen Gattungen, darunter sieben bis heute unaufgeführt gebliebene Opern (dem Typus des Mysterienspiels zuneigend), 3 Symphonien und viele weitere Orchesterwerke, Lieder, Klaviermusik, und viel Kammermusik, darunter sieben Streichquartette.
Agnes Tyrell
Ein Hauch vom Paradies
Choral Music & Piano Works
cpo 555 652-2
1 CD • 67min • 2023
12.03.2026 • 10 10 10
Die Pianistin Kyra Steckeweh hat sich in den letzten Jahren als Entdeckerin zu Unrecht vergessener Komponistinnen einen Namen gemacht. In einer von Männern geprägten Musikgeschichte hat sie damit einen wichtigen Gegenpol gesetzt und zudem noch jede Menge wirklich schöner Musik entdeckt. Steckewehs pianistisch wie editorisch höchst kompetente Einspielungen von Komponistinnen wie Dora Pejačević, Ethel Smyth oder Emilie Mayer zeugen davon. Neueste Entdeckung ist die Komponistin Agnes Tyrrell, deren Vita einmal mehr der von vielen Frauen des 19. Jahrhunderts gleicht: aus gutem Hause, musikalisch begabt, früh gestorben und dann vergessen.
Georg Philipp Telemann
Frankfurter Festmusiker 1716
Kölner Akademie • Michael Alexander Willens
cpo 555 584-2
2 CD • 2h 23min • 2023
09.03.2026 • 10 10 10
Als 1716 dem römisch-deutschen Kaiser Karl VI. und seiner Gemahlin Elisabeth Christine nach achtjähriger Ehe der ersehnte Thronfolger geboren wurde, war die Freude im habsburgischen Kaiserhaus groß. Auch in Frankfurt, der Stadt, in der seit langem die Wahlen und die Krönungen der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation stattfanden, machte man sich bereit, in den Jubel der kaiserlichen Familie einzustimmen. Festlichkeiten sollten die erfreuliche Nachricht der Geburt des Habsburger Prinzen Leopold Johann begleiten: Sie brachten freilich dem kleinen Erzherzog kein Glück – er lebte nur eine kurze Zeit und starb im Alter von knapp sieben Monaten.
Hans Gál
String Quintet op. 106 • String Quartet No. 4 op. 99 • Five Intermezzi op. 10
cpo 555 721-2
1 CD • 81min • 2021
02.03.2026 • 10 10 10
Ich erinnere mich gut, wie ich auf einer CD mit Brahms’ Ungarischen Tänzen in Fassungen für Orchester erstmals den Namen Hans Gál (1890–1987) las – zu Zeiten, als Gáls eigene Musik ein ausgesprochenes diskographisches Schattendasein fristete; präsenter war Gál damals eher noch als Musikwissenschaftler und Herausgeber. Selbst in den späten 2000er Jahren waren es erst einmal alte Rundfunkaufnahmen, die mich mit Gáls Sinfonien bekannt machten. Vor diesem Hintergrund ist die Fülle an CD-Einspielungen mit Musik Gáls, zu der es im Laufe der letzten 25 Jahren gekommen ist, ein Beispiel für eine sehr erfreuliche Entwicklung zu Gunsten eines lange Zeit vernachlässigten Komponisten, der sehr viel Schönes und Hörenswertes geschaffen hat.
Robert Kahn
Complete Piano Quartets • Serenade for String Trio
Zilliacus Trio • Oliver Triendl
cpo 555 150-2
2 CD • 1h 33min • 2017, 2023
16.02.2026 • 10 10 10
Was ist künstlerische Eigenständigkeit? Ist der Künstler eigenständig, wenn seine Werke an möglichst wenige andere Künstler erinnern? Ist er es, wenn er sich offensichtlich an ein bestimmtes Vorbild anlehnt, weil dies seiner Neigung nun einmal entspricht, und er seine ganze schöpferische Kraft in den Dienst der Ideale stellt, die er anhand seiner Beschäftigung mit dem Vorbild gewonnen hat? Robert Kahn war definitiv kein Künstler, der auf Biegen und Brechen anderen unähnlich sein wollte. Im Gegenteil: Seine Werke verraten eine immense Zuneigung zu Brahms. In diesem Fall hat der ältere Meister die Sympathie auch erwidert, sodass Kahn zu den nicht zahlreichen Komponisten der jüngeren Generation gehörte, die von Brahms gefördert wurden.
Joseph Umstatt
Three Harpsichord Concertos • Two Flute Concertos
Ensemble Klingekunst
cpo 555 649-2
1 CD • 64min • 2023
02.02.2026 • 10 10 10
Sollten Sie den Namen Josesph Umstatt, eines Generationsgenossen der beiden älteren Bach-Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel, noch nie gehört haben, ist dies beileibe keine Bildungslücke. Desto verdienstvoller ist jedoch die Forschungsarbeit des Ensemble Klingekunst, die fünf seiner virtuosen Konzerte der Versenkung in den Bibliotheken von Berlin und Karlsruhe entrissen hat und so den Freund des galanten Stils zwischen Barock und Klassik mit diesen hinreißend gespielten Funden beglückt.
Jan van Gilse
Sulamith • Der Kreis des Lebens
cpo 555 648-2
1 CD • 74min • 2018, 2023
19.01.2026 • 10 10 10
Schon seit längerer Zeit macht sich cpo um das Schaffen Jan van Gilses verdient. Den fünf bereits erschienenen CDs, die mit den vier vollendeten Symphonien, dem Klavierkonzert und der Liebesmesse des niederländischen Komponisten bekannt machten, schließt sich nun die Aufnahme zweier sehr unterschiedlicher Kantaten an. Beide sind auf deutsche Texte komponiert, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass van Gilse, der 1944 als Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer im Untergrund starb, einen großen Teil seines Lebens in Deutschland verbracht und dort auch die meisten seiner Werke komponiert hatte.
Marco Marazzoli
Cantatas of Peace and Pleasure
Boston Early Music Festival
cpo 555 731-2
2 CD • 1h 29min • 2024
08.01.2026 • 10 10 10
Bislang ungehobene Schätze direkt aus den vatikanischen Archiven sind hier zu begrüßen. Fünf von insgesamt sieben Kantaten für sechs Solostimmen aus der Feder des Marco Marazzoli (um 1602 – 1662) stellt das Boston Early Music Festival Ensemble auf diesem Doppelalbum vor. In seinem wie immer bei cpo höchst informierten Begleittext gibt Paul O'Dette, einer der beiden Leiter des Ensembles und selbst an der Theorbe aktiv, einen Eindruck davon, wie mühsam es ist, modernes Aufführungsmaterial aus uralten Autographen herzustellen, die „beinahe unleserlich“ sind sowie vor „durchgestrichenen Passagen, umgeschriebenen Stimmen, falschen Noten, unlesbaren Takten, nicht zu entziffernden Texten“ und so fort geradezu strotzen.
Johann Nepomuk David
Symphonies 3 & 7
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Johannes Wildner
cpo 777 964-2
1 CD • 63min • 2014
22.12.2025 • 10 10 10
Zwar ist der österreichische Komponist Johann Nepomuk David (1895–1977) nie völlig vergessen gewesen: viele seiner Werke wurden zu seinen Lebzeiten für den Rundfunk aufgenommen, einiges seiner Orgel- und Chormusik ist auf Tonträger eingespielt worden, und als Lehrer etlicher Komponisten aus dem deutschsprachigen Raum fällt sein Name ohnehin immer wieder. Auch etwa im Harenberg Konzertführer, erschienen 1996, erfährt David eine Würdigung nebst Vorstellung ausgewählter Werke, so etwa seiner acht Sinfonien – keine Selbstverständlichkeit angesichts einer Begrenzung auf 200 Komponisten. Umso erstaunlicher eigentlich, dass von diesen Sinfonien nur eine einzige jemals auf Tonträger erhältlich gewesen ist, bevor cpo vor nun auch schon wieder mehr als zehn Jahren die vorliegende, höchst verdienstvolle Serie begann, die – in langsamem Tempo fortschreitend – nun bei Folge 3 angelangt ist, diesmal mit den Sinfonien Nr. 3 & 7. Wie gewohnt leitet Johannes Wildner das ORF Radio-Symphonieorchester Wien.
César Franck • Charles-Marie Widor
Christian Schmitt • Bamberger Symphoniker • Fabien Gabel
cpo 555 632-2
1 CD • 62min • 2023
17.11.2025 • 10 10 10
César Franck hat leider nur eine Symphonie geschrieben, ein paar Symphonische Dichtungen, Oratorien und natürlich eine Menge Orgelwerke, derentwegen er vor allem in die Musikgeschichte eingegangen ist. Dass sein symphonisches Schaffen trotzdem einen vertieften Blick wert ist, zeigt sich immer wieder, nicht zuletzt weil gerade die stilistische Verbindung zu den Orgelwerken zu manch spannender Einsicht verhilft. Jetzt gibt es noch einen Grund mehr, sich diesem Schaffen zuzuwenden: der Komponist und Organist Zsigmond Szathmáry hat das Grande Pièce Symphonique, das die Initialzündung zur Entstehung der Gattung der Orgelsymphonie in Frankreich war, auf Anregung des Organisten Christian Schmitt für Orgel und Orchester eingerichtet.
Johann Ludwig Krebs
Six Sonatas for Organ
Christian Schmitt
cpo 777 888-2
1 CD • 55min • 2013
03.11.2025 • 10 10 10
Eine Orgel-CD zaubert einem beim Hören nicht unbedingt ein Lächeln ins Gesicht. Diese CD mit Orgel-Sonaten von Johann Ludwig Krebs schon. Wobei der Begriff „Orgel-Sonate“ hier eigentlich falsch ist, denn die Sonaten WV 832-837 sind eigentlich für Klavier oder Cembalo gedacht. Sie sind zwei- bis dreistimmig und hochformatig in zwei Systemen gedruckt, was den Verfasser des Booklets, den promovierten Musikjournalisten, Musikproduzenten und ehemaligen Musikdirektor der Ansbacher Bachwoche, Andreas Bomba, dazu brachte festzustellen, dass dies „einer Adaption auf die Orgel nicht widerspricht“. Der gefeierte Organist Christian Schmitt nahm dies zum Anlass, diese Sonaten auf einer Orgel einzuspielen.
Carl Stamitz
Concertos for Clarinet & Orchestra Vol. 3
Kurpfälzisches Kammerorchester • Paul Meyer
cpo 555 722-2
1 CD • 56min • 2024
27.10.2025 • 10 10 10
Dass in der Hochklassik nicht nur Mozart kompetent für die Klarinette komponierte, beweisen die für Joseph Beer geschaffenen Konzerte von Carl Stamitz. Absolute Genussmusik, wie geschaffen zur „Auffheiterung des Gemüths“ in dunklen Tagen. Zudem ungemein brillant und in charmanter Klarheit dargeboten.
Ludwig van Beethoven
Theatre Music
cpo 555 754-2
4 CD • 4h 23min • 2018,2019, 2020
20.10.2025 • 10 10 10
Beethoven hat mit dem Musiktheater gerungen, sein „Fidelio“ ist nur ein Teil dieses Ringens. Verdienstvoll ist es deswegen, alle seine Theatermusiken einmal versammelt zu hören, aufgewertet durch Schauspieler, die die Haupt- oder Zwischentexte sprechen bzw. deklamieren. Da wird die Musik zur Rhetorik und die Rhetorik zur Sprachmusik.
Francesco Bartolomeo Conti
Il trionfo della Fama
NovoCanto & La Stagione Armonica • Accademia Bizantina • Ottavio Dantone
cpo 555 725-2
2 CD • 82min • 2024
02.10.2025 • 10 10 10
Wer seinerzeit am Wiener Hof mit Johann Joseph Fux mithalten wollte, musste nicht nur Glanz ausstrahlen, sondern auch theoretisch sattelfest sein; schließlich war Fux nicht nur ein angesehener Komponist, sondern auch ein höchst respektierter Pädagoge der Satztechnik, dessen Hauptwerk „Gradus ad Parnassum“ noch heute studiert wird. Sein Nachfolger wurde 1713 der um gut 20 Jahre jüngere Florentiner Francesco Bartolomeo Conti (1682 – 1732), der als Theorbist begonnen hatte, aber schon als junger Mann mit Bühnenwerken und Kantaten an die Öffentlichkeit trat und auch die Aufmerksamkeit Johann Sebastian Bachs auf sich zog, der seine Kantate Languet anima mea bearbeitete.
Georg Philipp Telemann
VI Ouvertures à 4 ou 6
L'Orfeo Barockorchester • Carin van Heerden
cpo 555 519-2
1 CD • 81min • 2021
22.09.2025 • 10 10 10
Georg Philipp Telemann brachte 1736 seine VI Ouvertures à 4 ou à 6 im Selbstverlag heraus. Diese sechs Orchestersuiten bilden die jüngeren, besetzungstechnisch weniger anspruchsvollen Geschwister der drei großbesetzten virtuosen Ouvertüren der Tafelmusik, die eher für große Hofkapellen und die Collegia musica der bedeutenden Universitätsstädte geeignet waren. Nur ein einziges Exemplar dieses Drucks hat sich erhalten, was womöglich auf eine nur kleine Auflage zurückzuführen ist, da Telemann um diese Zeit auf Zinkplatten statt Kupfer umstieg, die leichter zu bearbeiten waren, sich jedoch schneller abnutzten. Allerdings existieren zusätzliche Abschriften aus dem Umfeld von Telemanns kollegialem Freund Christoph Graupner in Darmstadt.
Georg Philipp Telemann
Französischer Jahrgang 1714/1715
Complete Cantatas Vol. 5
cpo 555 440-2
2 CD • 2h 31min • 2023
15.09.2025 • 10 10 10
Die Ersteinspielung des kompletten „Französischen Jahrgangs“ von 1714/15 aus der Feder der Herren Erdmann Neumeister und Georg Philipp Telemann ist eine editorische Großtat. Felix Koch und seine Ensembles setzen die im australischen Canberra erscheinenden Notenausgaben mit Begeisterung und hoher stilistischer Kompetenz um. Auch das Anfang 25 erschienene Vorgänger-Volume lohnt sich unbedingt.
Jan Pieterszoon Sweelinck
Pseaumes de David
Weser-Renaissance • Manfred Cordes
cpo 555 526-2
1 CD • 78min • 2022
08.09.2025 • 10 10 10
Jan Pieterszoon Sweelingk (1562-1621) kam als Kind nach Amsterdam und amtierte dort – als Nachfolger seines Vaters – 44 Jahre lang als Organist an der Oude Kerk. „Die Bedeutung seiner Orgel- und Klavierstücke kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, stellt Viktor Lukas in seinem „Reclams Orgelführer“ lakonisch fest, vergisst aber nicht darauf hinzuweisen, dass Sweelinck auch auf vokalem Gebiet ausgezeichnete Werke hinterlassen und durch seine Schüler nachhaltigen Einfluss ausgeübt habe, unter anderem auf Samuel Scheidt in Deutschland. Interessant ist Sweelincks religiöse Zwitterstellung als Katholik im calvinistisch gewordenen Amsterdam und als Organist in einer Stadt, die eigentlich das Orgelspiel im Gottesdienst untersagt hatte.
Gioacchino Rossini
Petite messe solennelle
Rheinische Kantorei • Edzard Burchards
cpo 555 232-2
2 CD • 62min • 2016
01.09.2025 • 10 10 10
Aufnahmen von Rossinis „Petite messe solenelle“ gibt es viele, diese hier besticht durch die mühelose Leichtigkeit des Chorgesangs und durch den von Tobias Koch gespielten Érard-Flügel, dazu kommt die phänomenale Akustik der Klosterbasilika Knechtsteden. All dies gibt dem vielgespielten Werk ironische Frische und zugleich innigen Ernst.
Ludwig van Beethoven
Complete Violin Sonatas
Lena Neudauer • Paul Rivinius
cpo 555 550-2
3 CD • 3h 50min • 2022
25.08.2025 • 10 9 10
Bekommt man als Rezensent eine Gesamtaufnahme der Sonaten für Klavier und Violine – um wenigstens einmal die vom Komponisten bevorzugte Rangfolge zu nennen – von Ludwig van Beethoven zur Besprechung auf den Schreibtisch, stellt man sich naturgemäß die Frage, ob noch eine Einspielung dieser Werke unbedingt vonnöten wäre und betrachtet diese mit einer gewissen Unlust. Wenn man dann allerdings bereits von den ersten Takten der Sonate op.12,1 gefesselt ist, ahnt man, dass hier Großes geschehen sein könnte. Wenn man dann unbedingt die nächsten beiden CDs hören will, weiß man, dass dem so ist und dass Lena Neudauer und Paul Rivinius ein Meisterstück glückte.
Musik der Hansestädte Vol. 3
Musik aus dem alten Magdeburg
Europäisches Hanse-Ensemble • Manfred Cordes
cpo 555 710-2
1 CD • 69min • 2024
31.07.2025 • 10 10 10
Im Jahr 1524, nur sieben Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg, führte Magdeburg die Reformation ein und gehört somit zu den frühen Bollwerken der evangelisch-lutherischen Konfession. Mit „Musik aus dem alten Magdeburg“ widmet Manfred Cordes den dritten Teil seiner Reise duch die „Musik der Hansestädte“ dieser Festung der Reformation. Als Vorreiter der neuen Konfession war Magdeburg auch eine blühende Stätte einer erneuerten lutherischen Kirchenmusik als klingende Predigt des Evangeliums. Luther und den Seinen lag es keinesfalls im Sinn, die eschatologische Bedeutung der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi zu leugnen, ihre Umdeutung bezog lediglich die Gemeinde in den liturgischen Mitvollzug ein.
Johann Franz Xaver Sterkel
Symphonies op. 11/2 & 11/ 3 • Piano Concerto op. 26/3
cpo 555 639-2
1 CD • 68min • 2023
17.07.2025 • 10 10 10
Nachdem sich Nataša Veljkovic und Johannes Moesus bereits höchst erfolgreich mit den Werken des Beethoven-Zeitgenossen Joseph Woelfel auseinandergesetzt haben, ergreifen sie jetzt das Panier des zu Lebzeiten als Pianist und Komponist ebenfalls hochgeachteten Priesters Johann Franz Xaver Sterkel (1750-1817), dessen frühe, um 1785 entstandene Sinfonien neben denen Gossecs und Haydns in Paris für Furore sorgten. Sein C-Dur-Klavierkonzert, entstand ebenfalls in diesen Jahren.
Julius Otto Grimm
Symphony op. 19 • Second Suite in Canon Form op. 16
cpo 555 612-2
1 CD • 77min • 2021
10.07.2025 • 10 10 10
Eine der markantesten Künstlerpersönlichkeiten im Freundeskreis um Robert Schumann und Johannes Brahms war Julius Otto Grimm, der ab 1860 bis zu seinem Tode 1903 als Leiter des Musikvereins in Münster amtierte. Von seiner Lebensleistung zehrt die Stadt bis heute, denn ihr Ruf als überregional bedeutendes Musikzentrum geht wesentlich auf das Wirken Grimms zurück, der regelmäßig weltberühmte Solisten zu seinen Konzerten einlud und sich für die damals zeitgenössische Musik einsetzte. Die Einspielung der zwei bedeutendsten Orchesterkompositionen Grimms durch das Sinfonieorchester Münster unter seinem Generalmusikdirektor Golo Berg kann somit auch als eine Form des Dankes an den großen Vorgänger betrachtet werden.
Jean-Baptiste Lully: Idylle sur la Paix • Marc-Antoine Charpentier: La Fête de Rueil
Boston Early Music Festival
cpo 555 678-2
1 CD • 76min • 2024
07.07.2025 • 10 10 10
Der „Regensburger Stillstand” von 1684, der den Krieg Ludwigs XIV. gegen Kaiser Leopold I., den Herrscher des Heiligen Römischen Reiches, und König Karl II. von Spanien beendete, regte französische Höflinge dazu an, ihren Kaiser Ludwig XIV. als Friedensfürst zu verherrlichen. So entstanden Lullys Idylle sur la Paix, initiiert vom Marquis de Seignelay auf seinem Landsitz in Sceaux bei Versailles, und Charpentiers La Fête de Rueil im Auftrag des Duc de Richelieu, einem Großneffen des bedeutenden Kardinals Richelieu.
Elsa Barraine
Symphonies 1 & 2
cpo 555 704-2
1 CD • 62min • 2024
23.06.2025 • 10 10 10
Die 1910 geborene Elsa Barraine machte erstmals öffentlich auf sich aufmerksam, als sie 19-jährig den begehrten Rompreis gewann. In den 1930er Jahren festigte sie vor allem mit Orchesterwerken ihren Ruf als eines der herausragenden jungen Talente der französischen Musik. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den sie – als Jüdin, Kommunistin und Widerstandskämpferin gegen die deutsche Besatzung gleich mehrfach gefährdet – im Untergrund überstanden hatte, war sie als Professorin am Pariser Konservatorium, später als Inspekteurin der staatlichen Musiktheater im Dienste des Kulturministeriums weiterhin eine feste Größe im Musikleben Frankreichs, geriet jedoch künstlerisch zunehmend ins Abseits, da sie sich den avantgardistischen Moden verweigerte.
Ludwig van Beethoven
Bagatelles & Variations
cpo 555 564-2
1 CD • 77min • 2020, 2022
19.06.2025 • 10 10 10
Der 1955 in Köln geborene Pianist Michael Korstick legt mit seinem neuen Album ausgewählte Bagatellen und Variationen Beethovens vor. Dabei verzichtet er auf die bedeutendsten Werke des Meisters auf diesen Gebieten wie die Bagatellen op. 126 und die Eroica-Variationen op. 35 oder gar die Diabelli-Variationen op. 120. Dafür gewährt er großartige Einblicke in die Werkstatt des Komponisten, seine unbegrenzte Fantasie beim Aufspüren neuartiger melodischer, harmonischer, satztechnischer Möglichkeiten.
Thomas Müntzer
Deutsche Evangelische Messe • Deutsches Kirchenamt
Amarcord
cpo 555 700-2
1 CD • 77min • 2024
16.06.2025 • 10 10 10
Thomas Müntzer (ca. 1489-1525) ist anscheinend gerade einmal 36 Jahre alt geworden – sein Geburtsjahr 1489 ist freilich historisch nicht gesichert. Anders als Martin Luther (1483-1546), der mit 62 Jahren ein für damalige Zeiten recht hohes Alter erreichte, starb Müntzer nicht nur jünger, sondern als Aufständischer der Bauernkriege darüber hinaus noch durch das Schwert des Scharfrichters. Dennoch teilte er manches mit dem großen, nur wenige Jahre älteren Reformator. Allerdings nicht Luthers Neigung für die Obrigkeit, wenn sie sich denn in der Religion auf seine Seite schlug. Müntzer hielt es jenseits der Glaubensfragen – in denen er durchaus auf Seiten Luthers stand – mit denen, die im 20. Jahrhundert „die Entrechteten“ genannt wurden. Das brachte ihn auf die Seite der gegen die staatliche Obrigkeit Krieg führenden Bauern, deren Erhebung Luther erzürnte und zu seiner energischen Ablehnung ihrer Berufung auf seinen Grundsatz von der „Freiheit eines Christenmenschen" führte.
Ferdinand Hiller
Symphony op. 67 »Es muß doch Frühling werden« • Symphony in F minor
cpo 555 625-2
1 CD • 61min • 2023
19.05.2025 • 10 10 10
Wer sich wegen Richard Wagner mit Franz Liszt und den Propagandisten der „Neudeutschen Schule“ anlegte, hatte hernach einen schweren Stand. Ferdinand Hiller fiel unter deren Verdikt und verschwand zu Beginn des 20. Jhds fast völlig aus dem Repertoire, was bedauerlich ist, da er - ähnlich wie Franz Lachner - eine Brücke vom späten Schubert zu Brahms und Bruckner bildet.
Christoph Demantius
Johannes-Passion
cpo 555 583-2
1 CD • 62min • 2022
20.04.2025 • 10 10 10
Die Lebensdaten von Christoph Demantius (1567-1643) sind von den Jahreszahlen her identisch mit denen Claudio Monteverdis, des großen Heroen des Übergangs von der Musik der Spätrenaissance zu der des Frühbarocks. Demantius geriet nach seinem Tod schnell in Vergessenheit, und auch heute ist seine Vertretung im Tonträgerkatalog nur auf ganz wenige Einspielungen beschränkt. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass er eine bedeutende Anzahl an Kompositionen hinterlassen hat, deren Qualität unter denen seiner Zeitgenossen herausragt und auch den Vergleich mit dem großen italienischen Komponisten der Epoche nicht scheuen muss.
Claudio Monteverdi
Messa per Maria Salute
cpo 555 561-2
1 CD • 77min • 2022
14.04.2025 • 10 10 10
Claudio Monteverdis Sammlung mit Werken aus seiner Zeit als Kapellmeister an San Marco in Venedig, Selva morale e spirituale, von 1640/41 wurde bereits mehrfach mit den Feierlichkeiten zum Ende der Pest 1631 in Verbindung gebracht, bei der ein Drittel der Stadtbevölkerung umkam und die den Anlass zur Stiftung der Kirche Santa Maria della Salute gab. Da diese Sammlung ein virtuoses, konzertierendes Gloria sowie drei Fragmente eines Credos enthält, hat sich Roland Wilson entschlossen, anstatt die drei Fragmente – wie vom Komponisten oder Drucker vorgeschlagen – in die vierstimmige dort ebenfalls enthaltene Messe zu integrieren, die fehlenden Teile aus anderen Werken des Komponisten zu ergänzen.
Jacob Schuback
Brockes-Passion
cpo 555 705-2
2 CD • 2h 16min • 2024
31.03.2025 • 10 10 10
Erstaunlich, wie viele Komponisten und Literaten des deutschen Barocks einen juristischen Hintergrund hatten. Hierzu gehören J.H. Schein, J. Kuhnau, der neben dem Thomaskantorat noch eine Kanzlei betrieb, Telemann, C. Graupner sowie die Bach-Söhne Friedemann und Carl Philipp Emanuel. Eine echte Doppelung legt die Capella Cathedralis Fulda begleitet von L’Arpa festante unter der Leitung von Franz-Peter Huber nun mit der Brockes-Passion des Hamburgischen Senatssyndicus Jacob Schuback (1726-1784) in Ersteinspielung vor. Hauptberuflich war Schuback Jurist und als Diplomat Hamburgs Vertreter beim „Immerwährenden Reichstag“ in Regensburg. Sein Vater amtierte von 1754 – dem Entstehungsjahr der Komposition – bis 1782 als Bürgermeister der Stadt. Da der Textdichter Barthold Heinrich Brockes – ebenfalls Jurist und Diplomat – und Vater Schuback seit 1737 Senatorenkollegen waren, dürften Librettist und Komponist sich näher gekannt haben.
Elfrida Andrée
Symphony No. 1 • Fritiof-Svit
cpo 555 589-2
1 CD • 63min • 2022
17.03.2025 • 10 10 10
Wenn es um komponierende Frauen geht, fällt auch dieser Name immer wieder: Elfrieda Andrée. Die schwedische Komponistin war nicht nur die erste Domorganistin überhaupt, sie kämpfte an mehreren Fronten für die Rechte der Frauen, erkämpfte nicht nur sich das Recht, einen solch renommierten Posten überhaupt bekleiden zu dürfen, sondern sorgte auch für andere berufliche Perspektiven ihres Geschlechts – etwa das Recht als Telegraphistinnen tätig sein zu dürfen. Mit den Vorurteilen der Männer hatte sie dabei immer zu kämpfen, wie sich aus vielen Rezensionen herauslesen lässt. Um so spannender ist es, wenn man sich nun selbst ein Urteil bilden kann, da viele neue Notenausgaben und CD-Aufnahmen das Bild der komponierenden Frau in der Musikgeschichte zu korrigieren trachten. Zu Recht!
Franz Anton Hoffmeister
Concerto for 2 Horns • 2 Symphonies
cpo 555 417-2
1 CD • 68min • 2020
03.03.2025 • 10 10 10
Johannes Moesus und sein Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim beweisen einmal mehr ihre Affinität zur deutsch-österreichischen Musik um 1800. Diesmal haben sie zwei Sinfonien und ein aberwitzig virtuoses Konzert für zwei Hörner von Franz Anton Hoffmeister aufs Programm gesetzt. Sie retten damit drei heitere, unbedingt hörenswerte und gute Laune stiftende Werke vor der Vergessenheit. Eine CD, die einem trübe Wintertage erhellen kann!
The Cosmos of Paul Ben-Haim
Orchestral & Chamber Music
cpo 555 621-2
2 CD • 2h 22min • 2023
17.02.2025 • 10 10 10
Der 1897 als Paul Frankenburger in München geborene Komponist hatte sich bereits vor der Emigration 1933 nach Palästina musikalisch zu seinen jüdischen Wurzeln bekannt. Doch erst dort – wo er sich auch in Ben-Haim umbenannte - lernte er, vor allem durch die jemenitische Sängerin Bracha Zephira, echte Volksmusik sephardischer Herkunft kennen, die dann zunehmend sein Werk bestimmen sollte. So gesehen ist der Titel des von der Geigerin Liv Migdal kuratierten neuen cpo Doppelalbums „The Cosmos of Paul Ben-Haim‟ etwas irreführend, denn die hier eingespielte Musik lässt den noch stark an Wagner und vor allem Mahler orientierten Stil des jungen Komponisten außer Acht.
Georg Philipp Telemann
Kantaten – Französischer Jahrgang Vol. 4
Gutenberg Soloists • Neumeyer Consort • Felix Koch
cpo 555 439-2
2 CD • 2h 19min • 2023, 2022
05.02.2025 • 10 10 10
Mit Vol. 4 feiern Felix Koch, die Gutenberg Soloists sowie das Neumeyer Consort „Bergfest“ bei ihrer Mammutunternehmung, den kompletten 1713/14 in Eisenach und ein Jahr später in Frankfurt uraufgeführten „Französischen Jahrgang“ der Herren Georg Philipp Telemann und Erdmann Neumeister auf Tonträgern festzuhalten. Hierbei ermöglicht Nun komm der Heiden Heiland TWV 1:1175 den direkten Vergleich mit der Komposition desselben Textes in Bachs BWV 61.
Enrique Granados
Goyescas op. 11
Dina Stojilković
cpo 555 677-2
1 CD • 53min • 2023
23.01.2025 • 10 10 10
Die serbische Pianistin Dina Stojilković verfügt nicht nur über die Technik, sondern auch über das Gespür, um die höchst anspruchsvollen beiden Bücher der „Goyescas“ nachzuempfinden. Der typisch spanische Tonfall teilt sich ebenso mit wie der in Töne umgesetzte Bilderreichtum der „majos enamorados“ – der verliebten jungen Männer! Temperament und Gefühl sind die Markenzeichen dieser Einspielung.
Paul Büttner
Symphony No. 2 • A Vision • Heroic Overture
cpo 555 482-2
1 CD • 73min • 2022
13.01.2025 • 10 10 10
Der Dresdner Komponist Paul Büttner (1870–1943) hatte längst eine Wiederentdeckung verdient. Seine optimistische 2. Symphonie von 1902 und die ungewöhnliche Auseinandersetzung mit den Traumata des Ersten Weltkriegs „Präludium, Fuge und Epilog. Eine Vision“ wurden von Jörg-Peter Weigle bestechend aufgenommen und machen Lust auf mehr.
Georg Philipp Telemann
Six Quatuors ou Trios 1733
cpo 555 427-2
1 CD • 63min • 2020
06.01.2025 • 10 10 10
Wer immer noch meint, barocke Musik sei bloße abstrakte Musik und keine „Programmmusik“, sollte sich auf dieser CD zuerst den Schluss anhören, insbesondere die Tracks 25-29: Diese fünf Sätze aus dem Stück mit dem nichtssagenden Titel Introduzione a tre aus Der getreue Musikmeister von Georg Philipp Telemann sind fünf Frauen-Porträts aus der Geschichte bzw. Mythologie, deren Wesen und Schicksal hier musikalisch geschildert wird: das Keifen von Xanthippe, der angeblich streitsüchtigen Ehefrau von Sokrates, das Klagen von Lukretia, die von Tarquinius vergewaltigt worden ist, das vielfältig-gescheite Wesen der griechischen Lyrikerin Corinna, die Wellen des Tibers, den die heroische Römerin Cloelia durchschwamm, und das Schwanken zwischen Verzweiflung und Trauer der von Aeneas verlassenen Dido.
Georg Philipp Telemann
Ino
Opera Arias for Soprano
cpo 555 658-2
1 CD • 80min • 2023
30.12.2024 • 10 10 10
Dass Telemann ein glänzender Instrumentalkomponist und höchst bedeutender Kirchenmusiker war, ist mittlerweile hinlänglich belegtes Allgemeingut. Weniger prominent dürfte sein - leider nur fragmentarisch erhaltenes - umfängliches Opernschaffen für Leipzig und Hamburg sein. Desto willkommener sind diese - qualitativ auf Augenhöhe mit seinem Freund Händel - Auswahl von Arien und die bereits auf Haydn hinweisende späte Solo-Kantate Ino. Amanda Forsythe bricht mit der Marotte, in diesem Repertoire anämische Soubretten mit panischer Angst vor einem kontrollierten Vibrato einzusetzen.
Paul Ignaz Liechtenauer
4 Masses op. 2
cpo 555 696-2
1 CD • 79min • 2024
25.12.2024 • 10 10 10
Fällt der Name Liechtenauer, werden ihn Mittelalter-Fans mit dem Vater der Fechtkunst, auf den sich alle späteren Traktate der Fechtmeister berufen, assoziieren. Paul Ignaz Liechtenauer (1673/74-1756) war hingegen ein Wiener, der ab 1715 am Dom zu Osnabrück wirkte. Von seinen Werken haben sich nur zwei Drucke mit 24 Offertorien und 6 Messen aus den Jahren 1736 und 1741 und ein Oboenkonzert erhalten. Vier dieser Messen hat jetzt die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens eingespielt. Diese könnten sich durchaus als von der Länge her gottesdiensttaugliche, prunkvoll-barocke Alternativen zu den Salzburger Messen Mozarts im Repertoire bewähren.
Franz Schreker
Complete Orchestral Works Vol. 2
cpo 777 703-2
1 CD • 57min • 2014, 2013
16.12.2024 • 10 10 10
Es hat vier Jahre gebraucht, bis das cpo Label aus Osnabrück die zweite Folge der wichtigsten Orchesterwerke Franz Schrekers (1878–1934) mit den Bochumer Symphonikern unter dem amerikanisch-israelischen Dirigenten Steven Sloane herausgebracht hat. Die Aufnahmen selbst sind gar gut zehn Jahre alt. Das Repertoire diesmal enthält die vielleicht interessantesten Werke des österreichischen Opernkomponisten für den Konzertsaal überhaupt.
Ernst von Dohnányi • Richard Strauss
Violin Sonata op. 21, Serenade for String Trio opl 10 • Violin Sonata op. 18
cpo 555 565-2
1 CD • 68min • 2022
25.11.2024 • 10 10 10
Ernst von Dohnányi, 1877 in Preßburg, dem heutigen Bratislava, geboren, war ungarischer Herkunft. Seine cis-Moll-Violinsonate von 1912 verrät allerdings kaum diese Provenienz; sie erinnert vielmehr an den Stil von Brahms, dem Dohnányi nacheiferte, ohne dessen Originalität zu erreichen. Hellen Weiß, die in Köln und Dresden lehrt, und Paul Rivinius, der in München lebt, machen in ihrer flüssigen, ausgewogenen Darstellung deutlich, dass das epigonal wirkende, spätromantische Stück kontrastreich gearbeitet ist. Interessanter wirkt die zehn Jahre zuvor komponierte C-Dur-Serenade für Streichtrio, die in ihren fünf Sätzen sowohl Temperament und Sentiment wie auch einen Schuss Humor verrät. Hellen Weiß musiziert mit ihren beiden Partnern schwungvoll und dynamisch flexibel. Vom einleitenden Marsch, der einer alten Serenadentradition entspricht, bis zum humorvollen Finalrondo erlebt man vergnügliche Klänge und Rhythmen.
Johann Pachelbel
Magnificat II
Himlische Cantorey, Jan Kobow
cpo 555 515-2
1 CD • 70min • 2021
18.11.2024 • 9 9 10
Fällt der Name Johann Pachelbel (1653-1706), denkt der Laie spontan an den Ohrwurm-Kanon über einen Romanesca-Chaconne-Bass, der Spieler besaiteter Tasteninstrumente womöglich an die Variationen des Hexacordum Apollinis, der Berufsorganist ganz sicher an die beiden großen Chaconnen und daran, dass er im Fach „Liturgisches Orgelspiel“ reihenweise Choralvorspiele mit Vorimitationen der einzelnen Choralzeilen vom sogenannten Pachelbel-Typus improvisieren musste. Vokalwerke wird jedoch kaum ein Mitglied dieser drei Gruppen benennen können.
Rogier Michael
Christvesper Dresden 1624
Historia von der Geburt unsers Herren Jesu Christ
cpo 555 698-2
1 CD • 67min • 2024
11.11.2024 • 10 10 10
Wer sich am singulären Weihnachtsoratorium von J. S. Bach satt- oder gar abgehört haben sollte und die Weihnachtshistorie von Heinrich Schütz auch bereits auswendig kennt, dem bietet das Ensemble Polyharmonique unter Alexander Schneider jetzt eine schlichtere Alternative in Form der Historia von der Geburt unseres Herrn Jesu Christi von Schützens Amtsvorgänger am Dresdner Hof, Rogier Michael, der mit Orlando di Lasso als einer der letzten Repräsentanten der franko-flämischen Schule gilt. Diese bildet den quasi-liturgischen Kern einer fiktiven Christvesper, wie sie um 1624 stattgefunden haben könnte.
Grażyna Bacewicz
Complete Orchestral Works Vol. 3
cpo 555 661-2
1 CD • 75min • 2023
28.10.2024 • 10 10 10
Die dritte CD mit dem WDR Sinfonieorchester unter Łukasz Borowicz beendet eine exzellente Gesamtaufnahme der sinfonischen Musik Grażyna Bacewiczs (1909–1969). Hier wird deutlich, dass die polnische Komponistin nicht nur in ihrer Heimat zu Recht als eine der ganz Großen ihres Fachs gilt, sondern ihre Musik ebenso deutsche Orchester zu Höchstleistungen motivieren kann – und dies quer durch ihre breite stilistische Entwicklung. Davon will man nun sicher mehr live hören!
Cornelis Schuyt
Madrigali nuptiali • Padovane e Gagliarde
cpo 555 545-2
1 CD • 66min • 2022
21.10.2024 • 10 10 10
Selbst wenn Cornelis Floriszoon Schuyt (1557-1616) heute als Komponist weitgehend unbekannt ist, gehört er zu den unbestreitbar großen Meistern aus der Epoche, in der sich die Musik der späten Renaissance zum Frühbarock wandelte und stellt sozusagen einen älteren Bruder von Heinrich Schütz dar. Der Vater Floris Corneliszoon Schuyt (1529/30–1601) war Organist zweier Kirchen in Leiden, der Pieterskerk und der Hooglandse Kerk; die Ausbildung des Sohns Cornelis war für damalige Zeiten hochklassig, wurde sie doch durch einen Studienaufenthalt in Italien gekrönt, dem Mutterland der Renaissance.
Ioannes Cuisean
Missa Solennis
Musik zum Kölner Gereonsfest 1663
cpo 555 669-2
1 CD • 61min • 2019
17.10.2024 • 10 10 10
Wer war Ioannes Cuisean? Wir wissen es nicht! Seine Messe für das Fest des Heiligen Gereon zu Köln 1663 ist ein Unikat, das vom Straßburger Domkapellmeister, Lexikographen und vielseitigen Komponisten Sébastien de Brossard gegen Ende des 17. Jahrhunderts katalogisiert wurde und dessen einzige Abschrift sich heute als Stimmensatz in der Pariser Nationalbibliothek befindet. Meinolf Brüser kombiniert seine Ersteinspielung mit den zugehörigen gregorianischen Propriumsgesängen sowie Orgelmusik von Johann Jakob Froberger und rekonstruiert so einen schlüssigen liturgischen Ablauf.
Aram Khachaturian
Symphony No. 1 • Dance Suite
cpo 777 919-2
1 CD • 74min • 2014
09.10.2024 • 9 9 10
Unter der Leitung von Frank Beermann widmet sich die Robert-Schumann-Philharmonie aus Chemnitz nun schon länger der Sinfonik des sowjetisch-armenischen Komponisten Aram Khachaturian. Dabei hat man sich nun von der letzten bis zur ersten Sinfonie vorgearbeitet. Die vorliegende Aufnahme beinhaltet außer der ersten Sinfonie auch eine Tanz-Suite, beide in der ersten Hälfte der 1930er Jahre entstanden. Das Ergebnis ist nicht nur hochinteressant, sondern auch außergewöhnlich gut. Es ist unüberhörbar, dass das Orchester und Beermann in dieser Musik zu Hause sind und sie auf den Punkt bringen.
Antonio Cesti
Natura et quatuor elementa dolentia ad Sepulcrum Christi
cpo 555 419-2
1 CD • 59min • 2021
07.10.2024 • 10 10 10
Wer Pier Antonio Cesti (1623-1669) nicht kennt, kennt jedoch womöglich seinen größten Hit „Intorno all’idol mio“, der zu den beliebtesten der Arie antiche gehört, deshalb gern im Gesangsunterricht studiert wird und von Gesangsgrößen wie Elisabeth Schwarzkopf, Janet Baker, Cecilia Bartoli sowie Benjamino Gigli aufgenommen wurde. Die Ensembles Polyharmonique und Teatro del mondo haben sich jetzt eines seiner wenigen geistlichen Werke, einen Oratorium zur Verehrung des Heiligen Grabes, angenommen, das 1667 in Wien uraufgeführt wurde, als sich der Komponist zur Produktion seiner Prunkoper zur kaiserlichen Hochzeit Il pomo d’oro – nicht die Tomate, sondern „Der goldene Apfel“ – dortselbst aufhielt.
Franz Xaver Scharwenka
Piano Concerto No. 1 • Symphony C minor
cpo 555 571-2
1 CD • 70min • 2022
09.09.2024 • 10 10 10
Xaver Scharwenkas (1850–1924) 100. Todesjahr blieb 2024 bei den vielen Jubilaren eher unter dem Radar. Umso mehr erfreut diese wunderbare Darbietung seines zu Lebzeiten äußerst erfolgreichen 1. Klavierkonzerts durch Jonathan Powell, der bei dem aberwitzig virtuosen Werk mühelos das Niveau Marc-André Hamelins oder Earl Wilds erreicht. Und es gibt endlich eine Aufnahme, die Scharwenkas unterschätzter einziger Symphonie wirklich gerecht wird.
Ralph Vaughan Williams
The Complete String Quartets
Verdi Quartett
cpo 555 345-2
1 CD • 79min • 2017
02.09.2024 • 9 10 10
Drei Streichquartette sind auf dieser CD Zeugnisse eines langen Komponistenlebens. In seiner Studienzeit am Londoner Royal College of Music und dem Trinity College in Cambridge schrieb Ralph Vaughan Williams (1872 – 1958) ein Streichquartett in c-Moll, das er einer Zählung nicht für würdig befand und das doch schon typische Züge seines Stils aufweist. Die Uraufführung fand erst 1904 statt. Nach einem für ihn bedeutsamem Besuch bei Maurice Ravel in Paris entstand 1908/9 das String Quartet Nr. 1 in g-Moll, das der Komponist 1921 einer Revision unterzog. Und in den Jahren 1942 bis 1944 komponierte Vaughan-Williams das Quartett Nr. 2 in a-Moll, das unverkennbar Spuren der düsteren Zeit des Zweiten Weltkriegs zeigt.
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William Grant Still
Songs • Piano Music
cpo 555 627-2
1 CD • 67min • 2023
28.08.2024 • 9 9 10
Seine Kollegen Leonard Bernstein und Aron Copland sollen sich über seine Kompositionen abfällig geäußert haben, und für das deutsche Publikum dürfte er noch ein großer Unbekannter sein. Doch seine amerikanische Karriere kann sich sehen lassen. William Grant Still (1895-1978) hat dort alles erreicht, was einem farbigen Künstler in seiner Zeit möglich war. In der Familie schon früh musikalisch gefördert, erhielt er eine umfassende Ausbildung als Instrumentalist und Komponist, war auf beiden Gebieten erfolgreich und daneben noch als Arrangeur und Plattenproduzent tätig.
Fasch • Heinichen • Stölzel • Hoffmann • Bach • Graupner
Horn Concertos
cpo 555 667-2
1 CD • 69min • 2021
26.08.2024 • 9 10 10
Diese CD ist ein treffliches Geschenk für alle Hornisten und Horn-Liebhaber. Seit nach 1680 das Horn als Musikinstrument und nicht nur als Jagd- oder Signal-Instrument seinen Siegeszug auch in Deutschland angetreten hatte, haben viele Komponisten Musik für dieses Instrument geschrieben. Sieben Beispiele davon, die meisten für zwei Hörner, alle Konzerte vornehmlich aus Mitteldeutschland stammend, haben die beiden Hornisten Stephan Katte (gefragter Hornsolist und Instrumentenbauer) und Sebastian Fischer (stellvertretender Solohornist in der Erzgebirgischen Philharmonie), die selber aus Mitteldeutschland stammen, hier versammelt.
Felix Mendelssohn Bartholdy
Organ Works
Christian Schmitt
cpo 555 484-2
3 CD/SACD stereo • 2h 58min • 2021
12.08.2024 • 10 10 10
Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte und improvisierte seit seinem 11. Lebensjahr recht fleißig an der Orgel, veröffentlichte jedoch zu Lebzeiten nur die 3 Präludien und Fugen op. 37 und die 6 Sonaten op. 65. Diese passen mit gut 90 Minuten Spielzeit sehr bequem auf zwei CDs. Nachdem für die neue Leipziger Ausgabe der Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy auch die in Krakau und Berlin befindlichen Manuskripte ausgewertet wurden, kamen neben den 12 (Präludien und Fugen in op. 37 einzeln gezählt) gedruckten Werken, weitere Kompositionen für die Gruppe MWV W des Werkverzeichnisses, in der sich die Orgelkompositionen befinden, hinzu, die mittlerweile in unterschiedlichen Ausgaben bei den Verlagen Novello, Bärenreiter und Breitkopf (Text der GA) mehr oder weniger vollständig vorliegen. Diese verdoppeln die Spieldauer auf knapp drei Stunden.
Leopold Anton Kozeluch
Piano Trios Vol. 4
cpo 555 480-2
1 CD • 64min • 2021
01.07.2024 • 10 10 10
Nachdem ich mich mit den bisherigen Volumina der Klaviertrios von Leopold Anton Kozeluch (1747-1818) vom Trio 1790 nicht so recht anfreunden konnte, durfte ich bei der neuesten Produktion mit Freude konstatieren, dass mein Genörgel hinsichtlich zusätzlicher Verzierungen bei Wiederholungen auf offene Ohren traf. Volume 4 bringt drei inhaltlich leichte, jedoch nicht leicht auszuführende, unterhaltsame Trios aus dem Zeitraum von 1782-1798 als Ersteinspielungen.
Hans Huber
Piano Quintets 1 & 2
cpo 555 569-2
1 CD • 62min • 2022
24.06.2024 • 10 10 10
Zwei Quintette des ersten Schweizerischen Komponisten von überregionaler Bedeutung, die durchaus als würdige Nachfolger der Kompositionen in gleicher Besetzung von R. Schumann und J. Brahms gelten können. Aufgrund ihres harmonischen Reichtums ähnlich unangenehm einzustudieren wie das Quintett von César Franck. Glänzend interpretiert von Oliver Triendl und dem Carmina-Quartett.
Vítĕzslava Kaprálová
The Completed Orchestral Works
cpo 555 568-2
2 CD • 1h 43min • 2022
10.06.2024 • 10 10 10
Die mit gerade mal 25 Jahren verstorbene Tschechin Vítězslava Kaprálová (1915‒1940), offenkundig schon als Jugendliche eine kompositorische Hochbegabung, studierte nach anfänglichem Unterricht durch ihren Vater Václav Kaprál – selbst noch Schüler Janáčeks – bei Vítězslav Novák in Prag, schließlich in Paris bei Bohuslav Martinů. Für ihre Militär-Sinfonietta erhielt sie 1937 den Preis der Smetana-Gesellschaft und trat damit zudem als erste weibliche Dirigentin der Tschechischen Philharmonie auf; ihre Lehrer hierbei waren keine Geringeren als Zdeněk Chalabala und später Charles Münch.
Musik aus dem alten Danzig
Musik der Hansestädte Vol. 2
Werner • Erben • Förster • Büttner • Siefert • Wanning
cpo 555 647-2
1 CD • 71min • 2023
03.06.2024 • 10 10 10
Musik einer stolzen Stadt Danzig teilte mit ihren Schwesterstädten im Hansebund eine stolze Haltung gegenüber ihren jeweiligen fürstlichen Oberherren – somit führte die Stadt nach einer turbulenten Entwicklung um 1560 die Reformation ein und setzte sich damit in einen konfessionellen Gegensatz zum katholischen Königreich Polen. Mit dem von ihm 2019 gegründeten Europäischen Hanse-Ensembles würdigt Manfred Cordes Kirchenmusik des lutherischen Danzigs und schließt damit nahtlos an seine erstklassigen Darstellungen gleichzeitiger lutherischer Kirchenmusik mit seinem Ensemble Weser-Renaissance an.
Johann Christian Schickhardt
Sonate a quattro op. 22
Epoca Barocca
cpo 555 450-2
1 CD • 73min • 2021
24.05.2024 • 10 10 10
Wenn Johann Christian Schickhardt (1682 – 1762) es im Barock auf über 30 im Druck veröffentlichte, teils umfängliche Sonaten-Sammlungen brachte, muss seine Musik wohl zu Recht beliebt gewesen sein. Das Ensemble Epoca Barocca, dessen Einspielung von Loeillet-Triosonaten von mir bereits empfohlen wurde, hat sich jetzt dessen klanglich äußerst reizvollen 6 Sonaten für 2 Blockflöten, Oboe und Basso continuo op. 22 angenommen und präsentiert sich mit diesen Werken wiederum als stilistisch feines Ensemble der Extraklasse.
Joachim Raff
Welt-Ende • Gericht • Neue Welt
cpo 555 562-2
2 CD • 1h 47min • 2022
20.05.2024 • 9 10 10
Angesichts des Ansehens, das Joachim Raff als Symphoniker und Kammermusikkomponist heutzutage verdientermaßen wieder genießt, ist es nur natürlich, dass auch Raffs Schaffen abseits dieser Gattungen zunehmend beachtet und zur Diskussion gestellt wird. So gelangte 2022, im Jahr seines 200. Geburtstags die Oper Samson, das Hauptwerk seiner frühen Jahre, in Weimar erstmals auf die Bühne, und im Leipziger Gewandhaus gedachte man seines Oratoriums Welt-Ende. Gericht. Neue Welt, das er 1882 kurz vor seinem Tode vollendet hatte.
Domenico Cimarosa
Le astuzie femminili
cpo 555 595-2
2 CD • 2h 39min • 2022
06.05.2024 • 10 10 10
Nach dem sensationellen Erfolg seiner Opera buffa Il matrimonio segreto, die 1792 in Wien ihre Uraufführung erlebte, wählte Domenico Cimarosa, nach Neapel zurückgekehrt, für seinen dortigen Einstand ein Sujet, mit dem er an diesen Erfolg anzuknüpfen hoffte, und griff dabei auf Teile des zuvor geschriebenen Einakters Amor rende sagace zurück: Le astuzie femminili (auf deutschen Bühnen später unter dem Titel Weiberlist gespielt). Das Libretto, das ihm Giuseppe Palomba auf der Basis der älteren Vorlage konstruierte, ist streckenweise etwas abstrus und weitschweifig, spielt aber geschickt mit den bewährten Elementen der neapolitanischen Buffa, zu denen auch der Gebrauch des dortigen Dialekts, komische Duelle sowie der Einsatz von pittoresken Verkleidungen gehörten.
Georg Philipp Telemann
Donner-Ode • Late Church Music
cpo 555 546-2
1 CD • 81min • 2022
08.04.2024 • 10 10 10
Wohl nur wenige Komponisten konnten sich ihre Schaffenskraft bis ins achte Lebensjahrzehnt erhalten, ohne auf alte Muster zurückzugreifen. Viele erreichten dieses Alter gar nicht erst. Die, die es wie Heinrich Schütz, Richard Strauss und Igor Strawinsky erreichten, griffen auf bereits Bewährtes zurück. Anders Georg Philipp Telemann (1681-1767), der die literarischen Strömungen in jeder Lebensphase aufmerksam verfolgte. Als die Dichtung von Oden im erhabenen Stil durch F. G. Klopstock und Johann Andreas Cramer modern wurde, nutzte er Texte dieses antikisierenden Genres für seine späten Kompositionen und passte kompositorisch seinen Stil der zeitgenössischen Dichtung an.
Georg Philipp Telemann
Kantaten – Französischer Jahrgang Vol. 3
cpo 555 438-2
2 CD • 2h 09min • 2022
25.03.2024 • 10 10 10
Welch tollkühnes Unterfangen den kompletten Kantaten-Jahrgang für das Kirchenjahr 1714/15 mit 72 Einzelwerken von Georg Philipp Telemann aufzunehmen! Mittlerweile haben Felix Koch, die Gutenberg Soloists und sein hervorragender Neumeyer Consort mit Vol. 3 das erste gute Drittel geschafft und zusätzlich Orgelbearbeitungen von Choralmelodien zu kleinen Choralkantaten arrangiert. Auch dies ist durchaus hörenswert und könnte Anregung für kleine Gemeinden ohne die Möglichkeit, die großbesetzten Kantaten aufzuführen, bieten.
Boris Papandopulo
The Complete String Quartets • Guitar Quartet • Clarinet Quartets
cpo 555 469-2
3 CD • 3h 00min • 2017-2022
26.02.2024 • 10 10 10
Exakter Zeitgenosse von Dmitri Schostakowitsch, Edmund von Borck, Ulvi Cemal Erkin, Klaus Egge, Paul Creston und Arnold Cooke, ist Boris Papandopulo (1906-91) Kroatiens bedeutendster Klassiker der Moderne. In seinem Schaffen ist eine eigentümliche Verschränkung von volksmusikalischer Verwurzelung und kosmopolitischer Aufgeschlossenheit bemerkenswert, wie dies ja auch bei anderen Nationalkomponisten der klassischen Moderne aus Südosteuropa wie Nikos Skalkottas, Marin Goleminov oder Ahmed Adnan Saygun, wenngleich mit anderen Gewichtungen, typisch ist. Papandopulo darf man mit seinen amalgamierenden Fähigkeiten ähnlich etwa Hilding Rosenberg oder Alexander Tansman als Eklektiker bezeichnen, dies allerdings auf höchstem Niveau.
Francesco Bartolomeo Conti
Bravo! Bene!
Arie con varie strumenti
cpo 555 552-2
1 CD • 75min • 2022
19.02.2024 • 10 10 10
Das Opernleben um 1720 in London, Dresden, Hamburg und Neapel ist mittlerweile recht gut auf Tonträgern dokumentiert. Aber Wien? Diese Lücke schließen jetzt das Ensemble nuovo aspetto und vier exzellente Solisten mit ausgesprochen delikat instrumentierten Arien von Francesco Bartolomeo Conti (1682-1732). Da Conti als Hoftheorbist und ab 1713 auch Hofcompositeur selbst diverse Zupfinstrumente virtuos beherrschte, entsteht so ein höchst gelungenes Lehrstück für den Einsatz von Hackbrett, Harfe, Mandoline und Theorbe in der habsburgischen Barockoper. Die Auswahl wird ergänzt durch Kompositionen von Antonio Maria Bononcini (1677-1726) und Giuseppe Porsile (1680-1750).
Georg Druschetzky
Oboe Quartets Vol. 2
Grundmann-Quartett
cpo 555 370-2
1 CD • 81min • 2020
05.02.2024 • 10 10 10
Wenn sich ein gemischtes Quartett nach dem Instrumentenbauer benennt, dem die Umformung der Barockoboe zur klassischen Form gelang, die bis heute – mit allerdings wesentlich reicher Beklappung – in Wien weiterlebt, kann man dies durchaus als Bekenntnis zu einem historisch informierten Interpretationsansatz betrachten. Der niederländische Oboist Eduard Wesly durchstöberte die europäischen Bibliotheken nach geeigneter Literatur, stieß dabei auf die Oboenquartette des Böhmen Georg Druschetzky und legt nach dem von mir eher kritisch betrachteten Vol. 1 jetzt eine völlig überzeugende Folge-CD vor.
Giovanni Battista Pergolesi
La serva Padrona • Livietta e Tracollo
cpo 555 622-2
2 CD • 1h 57min • 2023
22.01.2024 • 10 10 10
Schier unerschöpflich ist die Diskographie des heiteren Intermezzos La serva padrona von Giovanni Battista Pergolesi. In der musikalisch wie komödiantisch überschäumenden und dabei immer präzisen Aufnahme aus Boston hört man es gleichsam wie neu. Und das weniger populäre Gegenstück Livietta e Tracollo bereitet nicht weniger Hörvergnügen.
Andreas Oswald
Sonatas
Capella Jenensis
cpo 555 478-2
1 CD • 68min • 2021
15.01.2024 • 10 10 10
Wohl wenigen Spezialisten für die Musik um 1650 dürfte der Name des einstigen Weimarer und später Eisenacher Hoforganisten Andreas Oswald (1634-1665) bisher untergekommen sein, von dem einzig 18 Solo- und Ensemblesonaten erhalten sind. Abwechslungsreiche, virtuose, farbige und spannende Musik, die stilistisch der italienisch geprägten österreichischen Hofmusik um Antonio Bertali, J. H. Schmelzer nahe steht, gelegentlich wie eine Vorwegnahme H. I. F. Bibers klingt und von der Capella Jenensis brillant und stilsicher interpretiert wird.
Franz Benda
Sonatas and Capriccios
cpo 555 610-2
1 CD • 65min • 2022
08.01.2024 • 10 10 10
Dass von einem Musiker des 18. Jahrhundert heute noch Nachkommen desselben Namens musikalisch tätig sind, ist ungewöhnlich. Dieser Musiker des 18. Jahrhunderts ist Franz Benda: Geboren ist er 1709 in Böhmen, sang er als Kapellknabe in Prag und Dresden, wollte eigentlich den ehrsamen Beruf des Pfefferkuchenbäckers erlernen, wurde aber doch Geiger, ermöglicht durch ein Stipendium seines Herrn, eines Grafen Kleinau, aus dessen Dienst er aber nach Warschau verschwand, wo er kurze Zeit Mitglied der polnischen Hofkapelle war, bis er von Friedrich II. von Preußen in dessen Hofkapelle berufen wurde.
Weber • Crusell • Berg
Bassoon Concertos
cpo 555 576-2
1 CD • 63min • 2023
11.12.2023 • 10 10 10
Der norwegische Fagottist Dag Jensen, der 1984 jeweils zweite Preise beim ARD-Musikwettbewerb gewann – ein einziger erster Preis wurde bisher nur 2008 vergeben – seine Karriere in bedeutenden Orchestern fortsetzte und jetzt die Professur an der Münchner Musikhochschule innehat, kombiniert auf seiner neuesten CD mit den Konzerten von Carl-Maria von Weber und Bernhard Crusell zwei Schlachtrösser des Repertoires und beschließt die Aufnahme mit dem für ihn im Jahre 2022 ganz frisch komponierten Fagottkonzert seines Landsmannes Olav Berg.
Hugo Kaun
Symphonic Works
cpo 555 572-2
1 CD • 77min • 2022
04.12.2023 • 9 9 10
Der im frühen 20. Jahrhundert sehr erfolgreiche Berliner Komponist Hugo Kaun betrachtete den Parteienstreit zwischen Brahmsianern und Wagnerianern als obsolet und schuf gleichermaßen Symphonien wie Symphonische Dichtungen. Jonathan Stockhammer und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin präsentieren Kauns vor harmonischen Raffinessen strotzende Dritte Symphonie und die beiden Tondichtungen Minnehaha und Hiawatha, in denen der 15 Jahre in den USA lebende Komponist Legenden der nordamerikanischen Ureinwohner fesselnd nacherzählt.
Friedrich Gernsheim
String Quartets Vol. 2
cpo 555 468-2
1 CD • 60min • 2020, 2021
27.11.2023 • 10 10 10
Das Diogenes Quartett, das mich bereits durch seinen exzellenten Fesca-Zyklus beeindruckte, widmet sich in Vol. 2 seiner Aufnahme der Streichquartette von Friedrich Gernsheim (1839-1916) dessen letzten beiden wunderbaren Kammermusikkompositionen, dem 5. Streichquartett (1911) und dem 2. Streichquintett (1915) und erweitert so die Diskographie dieses lange unterschätzten Spätromantikers, dessen Werke zunehmend an Beachtung gewinnen.
Raff • Schreck • Jadassohn
Wind Serenades
cpo 555 570-2
1 CD • 59min • 2021
20.11.2023 • 10 10 10
Die Gründerzeit im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts liebte es, die „Gute alte Zeit“ zu reflektieren und sich historisch zu kostümieren. In der Architektur verfuhr man gern nach dem Motto „Der Rohbau ist fertig, jetzt muss bloß noch der Stil dran“. Ähnliches geschah in der Musik. Nach Tristans Fieberekstasen benötigte man zur Abkühlung heiter-gemütvolle Serenaden im Stil Carl Loewes und Albert Lortzings gewürzt mit einer Prise mendelssohnischen Elfenzaubers
Laks • Weinberg • Nowicka
Works for Violin & Chamber Orchestra
cpo 555 523-2
1 CD • 66min • 2012,2013
16.11.2023 • 10 10 10
Während die Musik Mieczysław Weinbergs (1919-1996) spätestens seit der szenischen Erstaufführung seiner Oper Die Passagierin bei den Bregenzer Festspielen 2010 hierzulande zunehmend Gehör gefunden hat, ist Simon Laks‘ (1901-1983) recht schmales, aber nicht weniger interessantes Schaffen noch recht unbekannt. Laks – wie Weinberg in Warschau geboren – ging nach anfänglichem Mathematikstudium 1926 nach Paris, wo er früh Erfolge feierte. 1941 folgten Inhaftierung, Deportation nach Auschwitz, Zwangsarbeit bei Dachau. Nach seiner Befreiung kehrte er wieder zurück nach Paris. [...]
Emilie Mayer
Piano Concerto • Overtures
cpo 555 554-2
1 CD • 67min • 2022
16.10.2023 • 9 9 10
Erst in den letzten Jahren ist die in Vergessenheit geratene deutsche Komponistin Emilie Mayer (1812 – 1883) wieder ins öffentliche Interesse gerückt. Einst wurde sie, die einige Zeit Unterricht bei Carl Loewe in Stettin nahm und dann in Berlin heimisch wurde, als „weiblicher Beethoven“ gerühmt, und heute kann man lesen, sie sei „Europas größte Komponistin“. Mit solchen Superlativen tut man dem Nachruhm der Musikerin, die zweifellos begabt war und den Klassikern nacheiferte, keinen Gefallen. Die jetzt erschienene CD mit dem Pianisten Tobias Koch und der Kölner Akademie unter Alexander Willens macht zumindest deutlich, dass die Komponistin, die sich als Frau über alle Vorbehalte der damaligen Zeit hinwegsetzte, eigene Ideen hatte und diese in die vorgefundenen Formen einpasste.
From Buxtehude to JS Bach
Choral Cantatas around 1700
cpo 555 456-2
2 CD • 2h 29min • 2020
09.10.2023 • 10 10 10
Das Münchner Barockensemble L’arpa festante bietet auf seiner neuesten Doppel-CD einen zweieinhalbstündigen Überblick über die zwischen 1670 und 1710 in der lutherischen Kirchenmusik beliebte Form der Choralkantate. Neben ein paar bekannteren Werken von Dieterich Buxtehude, Johann Pachelbel und J. S. Bach finden sich Ersteinspielungen von Komponisten wie Georg Österreich, Johann Samuel Welter, Emanuel Kegel und weiteren, deren Namen selbst Fachleute kaum mit konkreten Werken verbinden können.
Leopold van der Pals
String Quartets Vol. 1
Van Der Pals Quartet
cpo 555 282-2
1 CD • 66min • 2019
04.10.2023 • 10 10 10
Wie schön, wenn ein Nachfahre dem zu Lebzeiten vernachlässigten musikalischen Œuvre seines kosmopolitischen (Ur)-Großonkels Leopold zu neuer Hörerschaft verhilft! Nachdem er bereits Aufnahmen von Kammermusik mit Klavier und zwei CDs mit Orchesterwerken angeregt hat, hat sich der schwedische Cellist Tobias van der Pals jetzt mit dem von ihm begründeten Quartett der ersten drei Streichquartette angenommen. Vorzügliche Musik zwischen Spätromantik und Impressionismus, die der vorrangig an der Avantgarde Schönbergs orientierten Musikkritik der Nachkriegszeit wenig Freude bereitete und deshalb unbeachtet blieb, es jedoch unbedingt verdient, gehört zu werden.
Georg Friedrich Kauffmann
Complete Sacred Works
cpo 555 365-2
2 CD • 1h 47min • 2022
28.08.2023 • 10 10 10
Georg Friedrich Kauffmann hat das Glück, aber auch das Pech, 1722 als Mitbewerber Bachs um das Amt des Thomaskantors bekannt geworden zu sein: Glück, weil er dadurch wenigstens in der Musikgeschichte einen Namen hat, Pech, weil Bach eben alles, was gleichzeitig komponiert wurde, überstrahlt. Kauffmann wurde 1679 im thüringischen Ostramondra geboren, ist in Erfurt und Merseburg unterrichtet worden, hat in Merseburg ab 1698 seinen erkrankten Orgel-Lehrer Johann Friedrich Alberti als Hof- und Dom-Organisten vertreten und 1710, nach Albertis Tod, diesen Posten eingenommen, stieg später zum „Fürstlich Sächsisch Merseburgischen Capell-Director“ auf und vertrat daneben einige Zeit auch den Hofkapellmeister – bis er 1735 in Merseburg starb.
Carl Heinrich Graun
Iphigenia in Aulis
cpo 555 475-2
2 CD • 2h 02min • 2021
07.08.2023 • 10 10 10
Nichts ist vergnüglicher als Lexika Lügen zu strafen: „Reclams Komponisten Lexikon“ meint zu den Opern des Braunschweiger und späteren Berliner Hofopernkomponisten Carl Heinrich Graun (1704-1759): „Seinerzeit geschätzt, verfielen seine Bühnenwerke jedoch später dem Vorwurf mangelnder Originalität.“ Diesem Vorwurf widerspricht diese Aufnahme von Grauns Oper Iphigenie auf Aulis aufs Deutlichste. Zu Recht schwärmt Ira Hochman, die mit ihrem Ensemble barockwerk hamburg diese Oper aus dem Jahre 1728 eingespielt hat, im Booklet von der „Fülle an höchst inspirierender Musik…, die von herausragender Qualität und melodischer Schönheit ist.“
Musik aus dem alten Stralsund
Musik der Hansestädte Vol. 1
cpo 555 578-2
1 CD • 74min • 2022
31.07.2023 • 10 10 10
Manfred Cordes ist als hervorragender Entdecker und Leiter von Interpretationen norddeutscher Musik der Spätrenaissance und des Frühbarock bekannt geworden, die er den Liebhabern dieses Repertoires besonders in seinen Aufnahmen mit dem Ensemble Weser-Renaissance bekannt gemacht hat. Mit dieser CD beginnt er mit dem Europäischen Hanse-Ensemble eine Reihe von Einspielungen unter dem Titel „Musik aus alten Hansestädten“, die dem musikalischen Erbe der Hanse gewidmet ist; diese agierte ja nicht nur als umfassende Handelsmacht, sondern wirkte auch kulturell als ein europaweites Netzwerk.
Emilie Mayer
String Quartets Vol. 1
cpo 555 600-2
1 CD • 72min • 2021
24.07.2023 • 10 10 10
Emilie Mayers (1812-1883) acht Symphonien sind nicht alle erhalten. Auch von ihren wohl bis zu 14 Streichquartetten liegen lediglich sieben in ihrer gedachten Form vor. Zudem ist bei allen das genaue Entstehungsjahr nur in etwa abzuschätzen. Dass sich die finanziell unabhängige, hauptberufliche Komponistin überhaupt in die beiden bis dato klar von Männern dominierten Gattungen vorwagte, war nicht nur mutig, sondern galt seinerzeit fast schon als Affront. Trotz hoher Zustimmung, die musikalische Qualität ihrer diesbezüglichen Beiträge betreffend, konnte sich Mayer damit nie durchsetzen und verlegte sich ab Mitte der 1850er Jahre ganz auf weniger „verfängliche“ Kammermusik
Georg Friedrich Händel • Georg Philipp Telemann
Cleofida • Königin von Indien
cpo 555 560-2
3 CD • 3h 00min • 2020
17.07.2023 • 9 10 10
Pietro Metastasio, der Meister des Librettos für Opere Serie, schrieb seinen Alessandro nell’Indie 1729 für Leonardo Vinci. Dieses Textbuch, das um den Sieg Alexanders des Großen über den indischen König Porus kreist, erwies sich als derart erfolgreich, dass es bis gegen 1780 ungefähr 90 mal vertont wurde, wobei man im Titel zwischen den drei Hauptpersonen munter abwechselte. Mal hieß das Werk Alessandro, mal Poro, mal wie in der hier eingespielten Bearbeitung Georg Philipp Telemanns des Poro von Georg Friedrich Händel wie bei Johann Adolf Hasse Cleofida.
Johann Heinrich Rolle
Lukas-Passion
cpo 555 525-2
2 CD • 1h 31min • 2022
26.06.2023 • 10 10 10
Nur wer sich intensiver mit der deutschen Kirchenmusikgeschichte des 18. Jahrhunderts beschäftigt hat, wird auf den Namen des Magdeburger Musikdirektors Johann Heinrich Rolle (1716-1785) gestoßen sein. Seine Lukas-Passion entstand 1744 und weist deutliche Einflüsse der Berliner Schule um C.Ph.E. Bach, Karl Heinrich Graun und Georg Benda auf. Michael Alexander Willens, der mit seiner Kölner Akademie 2015 schon Rolles Matthäus-Passion von 1748 aufgenommen hat, liefert eine fulminante Ersteinspielung.
Christoph Graupner
Complete Cantatas for two sopranos and bass
cpo 555 577-2
1 CD • 79min • 2022
19.06.2023 • 10 10 10
Christoph Graupner (1683-1760) wirkte fast ein halbes Jahrhundert am Hofe des Landgrafen von Hessen-Darmstadt hat und dabei ein Riesen-Œuvre mit über 2000 Werken hinterlassen, darunter allein etwa 1400 Kirchenkantaten. Damit war er mindestens genauso produktiv wie sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach – der Graupner als Thomaskantor vorgezogen wurde, weil Graupners Landesherr ihn partout nicht freigeben wollte. Peter Wollny, Direktor des Bacharchivs Leipzig, geht im Booklet dem Gedankenspiel nach, was wohl geschehen wäre, wenn Graupner den Posten bekommen hätte: Ob er wohl auch größer dimensionierte Werke komponiert hätte als die, die er für die kleinere hessische Schlosskirche geschaffen hat?
Carl Stamitz
Clarinet Concertos 1, 6 & 8
cpo 555 415-2
1 CD • 52min • 2020
08.05.2023 • 10 10 10
Haben Sie gerade so richtig schlechte Laune? Wenn ja, dann empfehle ich als musikalischer Hausapotheker die neue CD mit Klarinettenkonzerten von Carl Anton Stamitz (1745-1801), die Paul Meyer – mit Sabine Meyer weder verwandt noch verschwägert und aus Frankreich gebürtig – und das Kurpfälzische Kammerorchester gerade veröffentlicht haben. Deren Musizierlust dürfte selbst die dicksten Sorgenfalten glätten und Ihnen ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern.
Leopold I.
Requiem • Lectiones
cpo 555 078-2
1 CD • 70min • 2016
01.05.2023 • 10 10 10
Die Herrscherfamilie Habsburg war musikalisch außerordentlich begabt, unter ihnen sticht Kaiser Leopold I. (1640-1705) als bedeutender Komponist seines Zeitalters hervor, der mit mehr als 200 Werken ein ansehnliches Œuvre hinterließ. Zunächst nicht für die Nachfolge auf dem Thron vorgesehen, wurde Leopold als Nachfolger seines verstorbenen älteren Bruders Ferdinand 1655/56 zum König von Ungarn und Böhmen gekrönt. Nach Überwindung etlicher Schwierigkeiten trat er 1658 auch die Herrschaft als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation an; Leopold war einer der letzten Kaiser, der seinem Titel durch persönliches Wirken eine gewisse Machtfülle verleihen konnte.
Georg Philipp Telemann
Schwanengesang
The Last Orchestral Works
cpo 555 533-2
2 CD • 2h 17min • 2014, 2018, 2016
27.04.2023 • 10 10 10
Ein Alter von 86 Jahren zu erreichen ist für einen Komponisten im 18. Jahrhundert eine Besonderheit. Mit 86 Jahren aber noch so eminent und vielfältig produktiv zu sein, ist noch erstaunlicher. Was Georg Philipp Telemann, der ja Zeit seines Lebens so ungemein fleißig gewesen ist, noch kurz vor deinem Tod melodisch, stilistisch und variabel zu Papier gebracht ist, ist fast unvorstellbar. Als „Schwanengesang“ betitelt Michael Schneider und sein Einsemble La Stagione Frankfurt diese Sammlung von Ouvertüren und Sinfonien, die Telemann in seinen letzten Jahren komponiert und Ludwig VIII., Landgrafen von Hessen-Darmstadt, gewidmet hat.
Johann Stamitz
Violin Concertos
cpo 555 479-2
1 CD • 58min • 2021
24.04.2023 • 10 10 10
Johann Stamitz (1717-1757) gilt als einer der Väter der Mannheimer Schule. Wurden bis dato nur seine Orchestersinfonien als Meilensteine am Weg zur klassischen Sinfonie gewürdigt, nehmen sich jetzt David Castro-Balbi und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter Howard Griffith dreier seiner hochvirtuosen Violinkonzerte an und ergänzen sie um eine seiner Sinfonien. Die Konzerte lassen in ihrer Ritornellform zwar noch den italienischen Typus erahnen, verwenden innerhalb der Ritornelle jedoch den Affekt wechselnde Kontraste. Spannend!
Samuel Scheidt
Liebliche Krafft-Blümlein
cpo 555 513-2
1 CD • 59min • 2021
17.04.2023 • 10 10 10
Samuel Scheidt (1587-1654), durchaus ein Name für wirkungsvolle Instrumentalstücke – besonders für Bläser – und die Orgelwerke der Tabulatura Nova, wird als Vokalkomponist immer noch unterschätzt. Abhilfe kommt jetzt aus St. Gallen mit der Weltersteinspielung aller 12 geistlichen Konzerte für zwei Singstimmen und Generalbass, die er im Jahre 1635 unter dem typisch barocken Titel „Liebliche Krafft Blümlein“ in Druck gab. [...]
Joachim Raff
String Quartets 1 & 5
cpo 555 277-2
1 CD • 65min • 2020
10.04.2023 • 9 9 10
Im 19. Jahrhundert war Joachim Raff (1822 – 1882) einer der meist gespielten deutschen Komponisten, im 20. Jahrhundert wurde seine Musik nahezu vergessen, heute erinnern zahlreiche Aufnahmen seiner Klavier-, Kammermusik- und Orchesterwerke wieder an ihn. Das Mannheimer Streichquartett hat nun mit den Quartetten Nr. 1 und 5 dafür gesorgt, dass alle acht Werke dieser Gattung in Einspielungen vorliegen.
Florian Leopold Gassmann
Oboe Quartets & Quintets
cpo 555 528-2
1 CD • 67min • 2021
20.03.2023 • 10 10 10
Wer eine Musik sucht, die in düsterer Zeit heitere Schönheit verströmt und Altersdiskriminierung für verwerflich hält, greife zu den von Lajos Lencés wiederentdeckten Kammermusikwerken für Oboe und Streicher von Florian Leopold Gassmann. Der Komponist führte hier einige seiner charmantesten Arien einer absolut idiomatischen Zweitverwertung zu, die der fast Achtzigjährige Oboist und das Szigeti-Quartett in einer perfekt ausgewogenen Aufnahme mit großem Charme und Stilgefühl uns Hörern vermitteln.
Georg Philipp Telemann
Complete Violin Concertos Vol. 8
cpo 777 882-2
1 CD • 61min • 2013
13.02.2023 • 10 10 10
Auf dem vorliegenden achten Teil der Gesamteinspielung durchkreuzt die Geigerin Elizabeth Wallfisch mit ihrem Ensemble The Wallfisch Band das Meer von Telemanns Violinkonzerten mit einer reichhaltigen Auswahl aus dem schier unerschöpflich scheinenden Œuvre, das die nimmermüde Fantasie Telemanns an konzertanten Kompositionen für eine oder mehrere Violinen hinterlassen hat. Frühe Kompositionen der Eisenacher Zeit gesellen sich zu Meisterwerken der 1730er Jahre, als Telemann bereits ein in ganz Europa gerühmter Komponist war und als „director musices“ das Musikleben der reichen Hansestadt Hamburg leitete.
Louis Spohr
The Complete Works for Clarinet & Orchestra
cpo 555 151-2
2 CD • 1h 58min • 2017, 2019
30.01.2023 • 10 10 10
Christoffer Sundquist und die NDR Radiophilharmonie Hannover legen erstmalig sämtliche Werke für Klarinette und Orchester von Louis Spohr (1784-1859) vor. Diese sind durchweg aufregend und spannend, gehen sie doch in ihren virtuosen Anforderungen weit über die Klarinetten-Werke Mozarts und Carl Maria von Webers hinaus. So etwas kann passieren, wenn ein Geiger für Blasinstrumente schreibt und der Auftraggeber alle Energie dareinsetzt, die Anforderungen des Komponisten zu erfüllen.
Georg Philipp Telemann
Kantaten - Französischer Jahrgang Vol. 2
cpo 555 437-2
2 CD • 2h 13min • 2021
26.01.2023 • 10 10 10
Die zweite Folge aller Kantaten des „Französischen Jahrgangs 1714/1715“ von Georg Philipp Telemann ist wieder eine glorreiche Unternehmung. Und man ist erstaunt, ja verblüfft, ob der hohen, stets wortgezeugten Kompositionskunst Telemanns – vor allem in den Rezitativen, die ja schnell langweilen können – und ob der großen Vielfalt in einer kompakten, am Szenenaufbau der französischen Oper Lullys orientierten Struktur mit vielen französischen Tanzformen sowie der oft ausgefallenen Klangfarben. Demzufolge schwärmt das kenntnisreiche und ausführliche Booklet mit Recht und weist insbesondere darauf hin, dass die Bezeichnung „Französische Kantaten“ daher rührt, dass Telemann sich hier dem französischen Stil verschreibt, auch mit den typisch punktierten Ouvertüren.
Johann Hermann Schein
Israels Brünnlein 1623
cpo 555 459-2
2 CD • 1h 41min • 2021
23.01.2023 • 10 10 10
Auch wenn der Thomaskantor Johann Hermann Schein (1586-1630) mit Schütz und Scheidt zu den drei großen „S“ des musikalischen Frühbarocks gehört, wird er im Konzertleben eher wenig berücksichtigt. Zu Unrecht, wenn man sein 1623 veröffentlichtes Israelsbrünnlein hört, diese Sammlung von „geistlichen Madrigalen“ in „Italian-Madrigalischer Manier“, wie Schein selber es ziemlich widersprüchlich formuliert. Das Booklet erklärt es kundig: Motetten sind geistliche Vokalwerke in lateinischer Sprache, die den Text auslegen. Madrigale sind weltliche Vokalwerke in deutscher Sprache, die die Musik zu emotionaler Sprache werden lassen, zu einer „rhythmisch einheitliche(n) Deklamation, um diese Rede textverständlich zu halten“.
Grażyna Bacewicz
Complete Symphonic Works Vol. 1
cpo 555 556-2
1 CD • 54min • 2021
16.01.2023 • 10 10 10
Grażyna Bacewicz (1909-1969), die jugendliche Hochbegabung als Geigerin und Komponistin, erhielt nach frühen Abschlüssen in Polen bei Carl Flesch und Nadia Boulanger in Paris den letzten Schliff. Für die Förderung polnischer Komponistinnen wurde sie später zu Recht eine Ikone. Gerade ihr symphonisches Schaffen – in ihrer Heimat mittlerweile neben den Werken Lutosławskis oder Pendereckis Standardrepertoire – hat leider noch nicht so richtig den Weg in den Westen gefunden. Umso erfreulicher, dass cpo für seine nun begonnene Gesamtaufnahme unter Łukasz Borowicz das WDR Sinfonieorchester gewinnen konnte.
Adolf Busch
String Quartet • Flute Quintet • Pieces for String Quartet
cpo 555 279-2
1 CD • 72min • 2019
09.01.2023 • 10 10 10
Das soll dem Ehepaar Busch erst einmal jemand nachmachen: Zu Beginn des 20. Jahrhuderts allen sieben Kindern eine künstlerische Ausbildung zu ermöglichen, die bei Dirigent Fritz, Geiger Adolf und Cellist Hermann zu Weltkarrieren führte. Dass Adolf auch ein durchaus talentierter Komponist war, beweist diese Einspielung von Kammermusikwerken des Wahl-Schweizers durch das schweizerische Sarastro-Quartett.
Franz Xaver Richter
Six Sinfonias op. 2
cpo 777 991-2
1 CD • 57min • 2019
02.01.2023 • 10 9 10
Der berühmte Musikhistoriker Hugo Riemann beschrieb 1902 im einleitenden Essay zu dem von ihm herausgegebenen Band VII, 2 der „Denkmäler der Tonkunst in Bayern“ mit „Sinfonien der pfalzbayerischen Schule“ Franz Xaver Richter (1709-1789) als den eigentlichen Senior der Mannheimer Schule. Gut also, dass Johannes Moesus mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester in einer Gesamteinspielung der Sinfonien op. 2 diese hohe Wertschätzung verifizierbar macht.
Carl Reinecke
Complete Works for Two Pianos
cpo 555 454-2
3 CD • 3h 09min • 2022
29.12.2022 • 10 10 10
Nach Amy Beachs Schaffen für Klavierduo auf cpo im Jahre 2021 haben sich Aglika Genova & Liuben Dimitrov nun sämtlicher Werke für zwei Klaviere Carl Reineckes (1824-1910) angenommen – immerhin gut drei Stunden Musik, über deren Qualitäten sich die Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 1996 im Booklet der Box geradezu euphorisch äußern. Reinecke, aus Altona stammend, galt, obwohl später lange in Leipzig tätig – alleine 35 Jahre als Gewandhauskapellmeister –, als stramm konservativ. Trotz der Freundschaft mit Liszt lehnte er die Programmmusik der Neudeutschen Schule ab und orientierte sich zeitlebens an der Wiener Klassik,
Emilie Mayer
Symphonies 3 & 7
cpo 555 511-2
1 CD • 64min • 2022
19.12.2022 • 10 10 10
Die Zählung der – vermutlich – acht Gattungsbeiträge der erfolgreichsten Symphonikerin des 19. Jahrhunderts, Emilie Mayer (1812-1883), bedarf einer Erläuterung. Denn obwohl Mayer als ledige, vermögende Erbin unabhängig als Komponistin arbeiten konnte – damals quasi ein Alleinstellungsmerkmal – und ihre Musik zu Lebzeiten durchaus geschätzt wurde, blieb auch ihr Werk zum Teil ungedruckt. Bei den Symphonien wurde so die Instrumentation der vierten (h-Moll) aus dem lediglich erhaltenen Klavierauszug erst kürzlich rekonstruiert. Die Fünfte in D-Dur gilt als verloren, die Existenz einer 8. Symphonie (in F-Dur?) als ungesichert. Bis Anfang 2022 fehlte von den erhaltenen Stücken noch eine Einspielung der 3. Symphonie C-Dur, was aber in diesem Jahr gleich dreimal nachgeholt wurde. Von der hier ebenfalls zu besprechenden 7. Symphonie f-Moll gibt es bereits einen Live-Mitschnitt von 2001, der allerdings fälschlich als „Nr. 5“ auf CD veröffentlicht wurde.
Dietrich Becker
Sacred Concertos & Sonatas
cpo 555 464-2
1 CD • 74min • 2021
21.11.2022 • 9 9 10
Mit der vorliegenden CD widmen sich Simone Eckert und ihr Ensemble Hamburger Ratsmusik einem bedeutenden Hamburger Komponisten des 17. Jahrhunderts: Dietrich Becker (ca. 1623-1679), in Hamburg geboren, kehrte nach einigen auswärtigen Stationen als Geiger und Ensembleleiter 1662 in seine Heimatstadt zurück. Dort erhielt er mit der Berufsbezeichnung Musicant das Bürgerrecht, trat als Violinist in die Ratskapelle ein und wurde dort 1665 als Soloviolinist verzeichnet; nach dem Tod von Johann Schop wurde er 1667 zum Kapellmeister ernannt. Sein vielgestaltiges Werk präsentiert diese CD
