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Musikauswahl nach Themen
Thema: Klavier Solo
Klassik Heute bietet Ihnen eine Auswahl an empfehlenswerten Klavier Solo-Aufnahmen namhafter Pianisten. Die vorgeschlagenen Einspielungen sind von den Rezensenten durchweg mit Höchstbewertungen ausgezeichnet worden.
Gabriele Leporatti
Busoni - Rachmaninoff
piano works
Etera ET006
1 CD • 63min • 2024
22.04.2026 • 9 9 9
Auf seiner neuen Aufnahme in seinem eigenen Label Etera ist der Pianist Gabriele Leporatti mit Werken von Ferrucio Busoni und Sergei Rachmaninoff zu hören – und dennoch klingen sie wie Johann Sebastian Bach. Dieser Eindruck trügt natürlich nicht, denn es handelt sich bei den ausgewählten Werken um Transkriptionen von Busoni und Rachmaninoff von Werken des großen Bach. Leporatti, der sich sowohl im Repertoire des Barock als auch dem des 20. Jahrhunderts bestens auskennt, vereint auf dieser CD konzeptionell zwei Titanen des Klaviers, zwei gegensätzliche künstlerische Pole und zwei Fäden, die bei allen Unterschieden doch durch Johann Sebastian Bach miteinander verwoben sind. Ferruccio Busoni war Pianist, Komponist, Dirigent und Musikpädagoge, der neben seinen eigenen Werken, die heute wenig bekannt sind, vor allem bekannt wurde für seine Transkriptionen.
Ex Nihilo
Brecht Valckenaers Piano
Antarctica Records AR 080
1 CD • 63min • 2025
17.04.2026 • 9 10 9
Mit seinem Debütalbum möchte der belgische Pianist und Komponist Brecht Valckenaers (Jg. 2000), ein Programm vorlegen, das mehr darstellt als die Summe seiner Teile, und so hat er sich ein Konzept überlegt, das György Ligetis relativ frühe Musica ricercata gleichsam als Gerüst nutzt, als großen Bogen, der zwei zusätzliche Ebenen überspannt. Zum einen ist dies ein eigens für dieses Programm komponierter Zyklus von Valckenaers selbst, zum anderen fünf kurze Einschübe von fünf verschiedenen Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, die quasi als Interludien fungieren.
Ciocârlia
Dana Ciocarlie piano
la dolce volta LDV 124
1 CD • 70min • 2023
10.04.2026 • 10 10 10
Der Rezensent muss eingestehen, die aus Rumänien stammende, aber seit langem in Frankreich tätige Pianistin Dana Ciocarlie (Jahrgang 1968) bislang übersehen zu haben, obwohl sie bereits vor einigen Jahren eine Gesamtaufnahme der Schumann-Klavierwerke vorgelegt hat, die durchwegs sehr positive Resonanz erhielt. Auf demselben Label (la dolce volta) erschien nun eine CD mit gemischten Programm: Musik, die vorwiegend auf rumänischer Volksmusik basiert. Ausgangspunkt bildet ein Spiel mit dem Namen der Künstlerin: Ciocârlie bedeutet im Rumänischen „Lerche“, und als solche porträtiert sie laut liebevollem Booklet-Interview mit ihrer Cousine quasi im Überflug verschiedene Landschaften der alten Heimat.
Chopin In Vienna
Natalia Rehling piano
azure sky AZ1009
1 CD • 57min • 2025
07.04.2026 • 9 9 9
Über sich selber verrät die Pianistin Natalia Rehling wenig, auch sonst lassen sich nur spärlich biografische Notizen finden: Sie ist eine polnisch-österreichische Pianistin (sie ist als Natalia Sawościanik geboren), hat in Polen und Österreich studiert, mehrfach Preise gewonnen und unterrichtet derzeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Und sie ist Vizepräsidentin der Internationalen Chopin-Gesellschaft in Wien. Folgerichtig wird sie in Kritiken gerühmt für ihr exzellentes Chopin-Spiel. Dies gilt es hier zu überprüfen. Natalia Rehling hat auf dieser CD Werke von Chopin versammelt, die er in Wien komponiert oder zu komponieren begonnen hat oder die er in Wien gespielt hat.
Clara Schumann
Piano Music • 2
Jean-Pierre Armengaud
Grand Piano GP931
1 CD • 74min • 2024
01.04.2026 • 8 7 8
Clara Schumanns (1819‒1896) wichtigste Solo-Klavierwerke liegen mittlerweile in zahlreichen überzeugenden Einspielungen vor. Auch der französische Pianist und Musikwissenschaftler Jean-Pierre Armengaud (Jahrgang 1943) hat 2023 einige der bekanntesten Stücke für das Label Grand Piano in seinem privaten Tonstudio aufgenommen. Überraschenderweise widmet sich die 2. Folge der Reihe nun bisher eher vernachlässigtem Repertoire: ausschließlich Transkriptionen von Stücken Robert Schumanns, die meisten anscheinend erst nach dessen Tod 1856 entstanden. Diese sind natürlich nicht in den beiden ‚Gesamtaufnahmen‘ von Claras Klavierwerken zu finden (Jozef de Beenhouwer auf cpo beziehungsweise Susanne Grützmann auf Hänssler).
Agnes Tyrell
Ein Hauch vom Paradies
Choral Music & Piano Works
cpo 555 652-2
1 CD • 67min • 2023
12.03.2026 • 10 10 10
Die Pianistin Kyra Steckeweh hat sich in den letzten Jahren als Entdeckerin zu Unrecht vergessener Komponistinnen einen Namen gemacht. In einer von Männern geprägten Musikgeschichte hat sie damit einen wichtigen Gegenpol gesetzt und zudem noch jede Menge wirklich schöner Musik entdeckt. Steckewehs pianistisch wie editorisch höchst kompetente Einspielungen von Komponistinnen wie Dora Pejačević, Ethel Smyth oder Emilie Mayer zeugen davon. Neueste Entdeckung ist die Komponistin Agnes Tyrrell, deren Vita einmal mehr der von vielen Frauen des 19. Jahrhunderts gleicht: aus gutem Hause, musikalisch begabt, früh gestorben und dann vergessen.
Kenneth Hamilton plays Liszt
Volume 3: Demonic and Divine
Prima Facie PFCD251/252
2 CD • 2h 29min • 2025
11.03.2026 • 9 9 9
„Demonic and Divine“ lautet das Motto des bereits dritten Albums, das Klavierwerke von Franz Liszt enthält, gespielt von dem 1963 im schottischen Glasgow geborenen Pianisten Kenneth Hamilton. Dämonisch und Göttlich, das sind Pole, zwischen denen das kompositorische Schaffen des aus dem ungarischen Burgenland stammenden Liszt (1811 – 1886) sich tatsächlich abspielte. Das neue Doppelalbum geht allerdings mit dieser Thematik sehr frei um, bietet eine Auswahl Lisztscher Werke aus verschiedenen Schaffensperioden, wobei offenbar das Prinzip der Abwechslung die Reihenfolge bestimmt.
Marcel Dupré
Vocal Discoveries
Vox Ad Hoc • Tobias Frank
MDG MDG 902 2380-6
1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2025
10.03.2026 • 9 10 9
Ein Münchner Organist wirbt für die Chormusik eines französischen Komponisten: Tobias Frank ist Kirchenmusikdirektor an der evangelischen Kulturkirche St. Lukas in München, spielt nicht nur sehr gerne Orgelwerke von Marcel Dupré, sondern erforscht seit über zwanzig Jahren das gesamte musikalische Erbe dieses Komponisten, hat durch die Enkelin des Komponisten Alice Tollet-Szebrat Zugang zu bisher unveröffentlichten Manuskripten und hat daraus diese vorliegende Sammlung von meist Chorwerken vorgelegt, darunter auch ein paar Lieder und Werke für Klavier und für Orgel.
Josef Gabriel Rheinberger
Early Piano Works
Jürg Hanselmann
Ars Produktion ARS 38 657
1 CD • 60min • 2025
05.03.2026 • 9 10 9
Josef Gabriel Rheinberger kennt man vornehmlich als Chor- und auch Orgelkomponist. Dass sein Œuvre auch auch eine Fülle von Werken für Klavier umfasst, hat der Pianist Jürg Hanselmann schon in seiner opulenten Einspielung des gesamten Klavierwerks auf 10 CDs für den Carus-Verlag bewiesen. Nun hat er auch frühe Klavierwerke ohne Opuszahl vorgelegt, Bausteine, aus denen Rheinberger sich für spätere Werke bedient hat, sowie ganz persönliche, ja private Mitteilungen mittels des Klaviers: eine Liebeserklärung in zwölf „Charakterstücken“, die sich von C-Dur die Tonleiter hinaufschrauben, aber nur bis zu zum Ton F: Fanny hieß ja seine damalige Komposition- und Klavierschülerin, die er erst nach dem Tod ihres Mannes heiraten konnte: Franziska von Hoffnaass, die ihm lebenslang nicht nur liebende Gattin wurde, sondern auch Lebenshilfe als Hausfrau, Führerin eines musikalischen Salons in München und Beraterin in allen literarischen und musikalischen Dingen.
Violets are Blue
Michael Tsalka • Diana Weston
Wirripang Media Wirr 132
1 CD • 68min • 2025
27.02.2026 • 9 9 9
Man kann es nicht anders sagen: Eine höchst ungewöhnliche CD haben Michael Tsalka und Diana Weston da aufgenommen. Sie widmen sich der Kombination von Tafelklavier – schon alleine das ist ja eine Rarität - und Cembalo. Das Ergebnis ist eine wirklich außergewöhnliche CD, nicht nur wegen der Wahl der Instrumente. Auch das Repertoire, das Tsalka du Weston eingespielt haben, genießt Seltenheitswert. Am bekanntesten dürften noch einige Stücke von Béla Bartók sein, aus dessen Stücken die beiden Interpreten eine Auswahl von kürzeren, auf slowakischen und ungarischen Melodien basierenden Stücken spielen. Das funktioniert bestens, da das archaische Moment dieser Stücke gut zum Klang von Tafelklavier und Cembalo passt.
ENCORE!
Dora Deliyska
hänssler CLASSIC HC25062
1 CD • 53min • 2025
20.02.2026 • 10 10 10
„Encore!“ – so lautet der Titel der neuen CD der bulgarischen Pianistin Dora Deliyska. Ein ganzes Album mit Werken zu füllen, die gerne als Zugaben gespielt werden, ist keine neue Idee – und doch dürfte es schwer sein, eine Aufnahme zu finden, die ähnlich gut durchdacht und konzipiert ist wie diese. Deliyska hat sich mittlerweile einen Namen gemacht mit ihren außergewöhnlichen Konzeptprogrammen – und „Encore!“, die bei Hänssler Classic erschienen ist, gehört eindeutig dazu. Denn diese enthält nicht etwa ausschließlich die Virtuosen- und Bravourstücke, mit denen man sich nach einem gelungenen Hauptwerk eindrucksvoll vom Publikum verabschiedet. Stattdessen teilt sie die Aufnahme in drei Abschnitte ein: Im ersten Block erklingen ausschließlich Werke von Franz Schubert, dessen Musik Deliyska besonders gerne als Zugaben spielt.
Piano Heroines
Hensel Wieck Beach Price
Claire Huangci
Alpha Classics 1231
1 CD • 75min • 2025
30.01.2026 • 9 9 9
Die amerikanische, mittlerweile in Frankfurt am Main lebende Pianistin Claire Huangci ist diskographisch schon seit Jahren sehr aktiv mit einer breiten Palette von Repertoire quer durch die Epochen und Länder. Auf ihrem neuen Album wendet sich sie sich der Musik von Komponistinnen zu. Ausgewählt hat sie mit Fanny Hensel und Clara Schumann zwei eigentlich schon „klassische“ deutsche Romantikerinnen und mit Amy Beach (1867–1944) sowie Florence Price (1887–1953) zwei US-amerikanische Komponistinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dies ergibt ein buntes Programm von rund 20 zumeist knapp gehaltenen Einzel- und Charakterstücken, aufgeteilt in vier „Blöcke“ entsprechend den vier Komponistinnen.
Joseph Haas II
Gerit Lense Klavier
Ars Produktion ARS 38 672
1 CD • 76min • 2007
16.01.2026 • 10 8 9
Klavierwerke von Joseph Haas? Da müssen sogar gewiefte Klassik-Kenner passen. Dabei hat der als „Goldschmied der Musik“ apostrophierte Komponist wahre Juwelen für dieses Instrument geschrieben. Einige der schönsten davon präsentiert die Pianistin Gerrit Lense auf dem Volume II. Bei der auf drei Alben angelegten Reihe handelt es sich um Wiederveröffentlichungen älterer, zwischen 2001 und 2016 entstandenen Aufnahmen, die nichts von ihrer Frische verloren haben.
Shapes of Water
Piano Music by Debussy and Beyond
Carmen Stefanescu
Prospero Classical PROSP0127
1 CD • 75min • [P] 2025
11.01.2026 • 10 9 9
„Shapes of Water“ ist eine faszinierende Reise durch die vielen Stimmungen und Erscheinungsformen des Wassers – von ganz unterschiedlichen Komponisten in Klang gefasst. Die rumänische, in Köln lebende Pianistin Carmen Stefanescu schlägt mit ihrem Album einen Bogen vom französischen Impressionismus bis zum Computerspiel-Soundtrack von Nobuo Uematsu. Erwähnenswert ist die wenig geradlinige Biografie der Pianistin, deren Mutter als Tontechnikerin beim Rundfunk in Bukarest tätig war. Als Siebenjährige floh die Familie vor dem Ceausescu-Regime. Carmen Stefanescu wurde als Jungstudentin an der Musikhochschule Aachen aufgenommen, ließ jedoch mit 18 die Klassik links liegen, um Keyboard in verschiedenen Rock-Bands zu spielen. Erst mit Ende 20 nahm sie ihr Klavierstudium in Aachen wieder auf.
Ping Gao
Piano Works
Yubo Zhou piano
MDG 904 2381-6
1 CD/SACD stereo/surround • 80min • 2025
07.01.2026 • 9 10 9
Eine faszinierende Fusion: Ping Gao, Jahrgang 1970, verbindet westliche Klänge mit fernöstlicher Kontemplation. Er gehört zu jener Generation chinesischer Komponisten, die nach der Kulturrevolution aktiv wurden und sich an globalen Trends orientieren. Seine Karriere begann Ping Gao, der hierzulande weitgehend unbekannt ist, als Pianist; Klaviermusik nimmt daher einen zentralen Platz in seinem kompositorischen Schaffen ein. Die chinesische, regelmäßig in Deutschland auftretende Pianistin Yubo Zhou stellt dem hiesigen Publikum nun einen Querschnitt durch Ping Gaos Klavierschaffen vor. Die eingespielten Werke entstanden zwischen 2012 und 2024.
Frühlingsrauschen - Spring - Printemps
Nareh Arghamanyan piano
hänssler CLASSIC HC25034
1 CD • 67min • 2025
04.01.2026 • 10 10 10
Die 1989 in Armenien geborene Pianistin Nareh Arghamanyan hat zum Thema „Frühling“ eine Reihe von Klavierstücken auf dieser CD versammelt, Bekanntes wie Unbekanntes, Gehaltvolles wie eher Beiläufiges. Insgesamt ist es eine inspirierende Zusammenstellung, die den Hörer mit fast unbekannten Komponisten bekannt macht und ihn weiter forschen lässt. Wer kennt schon Paul Lindner oder Frédéric Meinders, einen recht produktiven holländischen Pianisten und Komponisten, Mel Bonis (eine französische Komponistin aus dem 19. Jahrhundert) und wer hat schon auf dem Schirm, dass der Geiger Josef Suk auch Klaviermusik komponiert hat?
Ravel Reflections
Balakirev Liszt Godowsky
Anton Gerzenberg
Prospero Classical PROSP0130
1 CD • 70min • 2025
01.01.2026 • 10 10 10
Der junge Pianist Anton Gerzenberg stellt Maurice Ravel ins Zentrum seiner „Reflections“. Er meistert nicht nur die hohen technischen Probleme tadellos, sondern spürt auch die wechselnden Stimmungen der frühen „Jeux d’eau“, des dreiteiligen „Gaspard de la nuit“ und der geheimnisvollen „Valses nobles et sentimentales“ mit sublimem Anschlag auf. Weitere Highlights sind Liszts „Les Jeus à la Villa d’Este“, Balakirevs „Islamey“ und – gleichsam als augenzwinkernde Zugabe – Godowskys „Fledermaus-Metamorphosen“.
Domenico Scarlatti
Complete piano sonatas Vol. 12
Christoph Ullrich
Tacet 282
2 CD • 2h 08min • 2024
31.12.2025 • 9 10 9
Bei seinem Vorhaben, sämtliche erhaltenen 555 Cembalosonaten Domenico Scarlattis (1685 – 1757) auf einem modernen Steinway-Konzertflügel einzuspielen, ist Christoph Ullrich mit dem Album Nr. 12 bis zur Kirkpatrick-Nummer 417 vorgestoßen. Wie schon bei den vorangegangenen Aufnahmen löst er das Problem, Alte Musik in neuem Gewand zu präsentieren, mit einem eleganten Kompromiss: er spielt die Stücke mit leichtem, federndem Anschlag, ohne den Versuch zu machen, Scarlattis Musik allzu sehr aus moderner Sicht zu gestalten.
Organ And Piano
Guilmant Franck Karg-Elert Tournemire Peeters
Jan von Busch organ, Johan Blanchard piano
MDG 903 2375-6
1 CD/SACD stereo/surround • 78min • 2025
24.12.2025 • 8 8 8
Diese Aufnahme ist zweifellos gelungen. Aber…. aber erst mal von Anfang an: Der Pianist Johann Blanchard und der Organist Jan von Busch widmen sich dem faszinierenden, gleichwohl selten gepflegten Repertoire für Klavier und Orgel – eine Kombination, die sowohl künstlerisch reizvoll als auch praktisch herausfordernd ist. Denn wo ein Konzertflügel in optimaler Akustik steht, findet sich selten eine passende Orgel, und umgekehrt. Auch logistisch ist die Realisierung solcher Projekte oft schwierig, was diese Einspielung umso bemerkenswerter macht. Das Programm selbst ist äußerst abwechslungsreich: César Francks Prélude, Fugue et Variation ist wohlbekannt, in dieser Duo-Fassung aber eine echte Rarität. Sigfrid Karg-Elerts Poesien op. 35 hingegen sind kaum bekannt – spätromantische Kostbarkeiten, die viel musikalisches Feingefühl verlangen.
Alt-Wien
Piano Works by Mozart • Czerny • Martines • Beethoven • Strauss • Grünfeld • Brahms • Gulda
Catherine Gordeladze
hänssler CLASSIC HC24050
1 CD • 73min • 2025
21.12.2025 • 8 10 9
Das Programm, das die deutsch-georgische Pianistin Catherine Gordeladze, die in Frankfurt und Zürich lehrt, auf ihrer neuesten CD präsentiert, irritiert zunächst: Der Titel „Alt-Wien“ suggeriert Musik von Joseph Lanner und/oder Johann Strauss Vater – aber weit gefehlt. Man schaut man sich die Komponisten an und liest, neben Mozart, Beethoven, Brahms auch Alfred Grünfeld und Percy Grainger. Dann liest man das von der Pianistin verfasste Vorwort, in dem sie erklärt, es handle sich um „eine sehr persönlich gefärbte Auswahl der Komponisten, die das damalige kulturelle Zentrum Wien als Wohnsitz und Zentrum ihres musikalischen Schaffens wählten.“
Within the Waves
Berio • Schubert
Sanna Vaarni
Stradivarius STR 37331
1 CD • 72min • 2024
12.12.2025 • 8 8 8
Die finnische Pianistin Sanna Vaarni, Schülerin u.a. von Eero Heinonen und Ralf Gothóni, mittlerweile selbst am Musikinstitut von Espoo unterrichtend, ist in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von CDs hervorgetreten, erschienen allesamt bei italienischen Labeln. Stand am Anfang ein Janáček-Album, so folgen danach CDs mit italienischer, französischer und japanischer Klaviermusik des 20. Jahrhunderts, und insofern belegt auch ihr neues Album namentlich durch die Einspielung von Luciano Berios Klaviersonate einmal mehr Vaarnis Engagement für südwesteuropäische Klaviermusik der Moderne. Die Kopplung mit Schuberts Klaviersonate G-Dur D 894 erscheint dabei zwar zunächst ungewöhnlich, ein Bezug zwischen beiden Komponisten ist aber natürlich bereits durch Berios Rendering vorhanden (und wird durch das zweite kurze Stück von Berio auf dieser CD noch unterstrichen).
The Star of Mendelssohn
Marina Baranova
Berlin Classics 0304160BC
1 CD • 46min • 2025
04.12.2025 • 8 10 9
Wer um Himmelswillen kam auf die Idee, in die „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy englische Weihnachtslieder hineinzuschmuggeln? Es ist die ursprünglich aus der Ukraine stammende, jetzt in Hannover lebende Pianistin Marina Baranova, die mit großem Improvisations- und Variationsvergnügen auf diesem Album mit dem Titel „The Star of Mendelssohn“ diese Idee umsetzt. Vielleicht sollte man diese Formulierung hier auch als Genitivus objektivus lesen: ein Stern für Mendelssohn. Denn es ist sowohl eine Verbeugung vor als auch eine Huldigung für Mendelssohn. Da die Pianistin jüdischen Glaubens ist, bezieht sie die Haltung von Felix Mendelssohn Bartholdy, der aus einer jüdischen Familie stammte, aber protestantisch getauft und erzogen wurde, auf sich: Im Booklet wird die Nähe des christlichen Weihnachtsfestes zum jüdischen Chanukka-Fest erwähnt und betont, dass die Pianistin „sich heute zu einer echten ‚Weihnachtsexpertin‘ gemausert“ habe. Und tatsächlich ist diese Aufnahme schon ihre zweite Weihnachts-CD.
Vers la Vie Nouvelle
Lili Boulanger | Nadia Boulanger | Germaine Tailleferre | Francis Poulenc
Evgenia Nekrasova piano
Ars Produktion ARS 38 688
1 CD • 54min • 2025
29.11.2025 • 9 9 9
„Vers la Vie Nouvelle“ ist der Titel der neuen Aufnahme der gebürtigen Weißrussin Evgenia Nekrasova. Damit zitiert sie den Titel einer Komposition von Nadia Boulanger, die auch für das Konzept der CD eine wichtige Rolle spielt. Denn Nekrasova beleuchtet hier nicht nur eine bedeutende Zeitspanne in Frankreich, sondern stellt auch komponierende Frauen in den Vordergrund ihres Programms, was grundsätzlich einer ihrer Repertoire-Schwerpunkte ist. Die wichtigsten Vertreterinnen ihrer Zunft in Frankreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Schwestern Lili und Nadia Boulanger, die nicht nur als Komponistinnen bis heute von großer Bedeutung sind, sondern gerade Letztere als gefragte Pädagogin die nachfolgenden Generationen entscheidend geprägt hat. So ist den beiden Schwestern nicht nur Aufmerksamkeit im Titel der Aufnahme gewidmet, sondern es stammt auch der Großteil des Programms von ihnen
Wagner Liaisons!
Matthias Kirschnereit
Berlin Classics 0303973BC
1 CD • 69min • 2024
27.11.2025 • 10 10 10
Wenn Wagner verliebt war oder sich bei wichtigen Damen der Gesellschaft einschmeicheln wollte, griff er gelegentlich zur Klavierminiatur. Diese Kompositionen zeigen uns die lyrisch-humoristische Seite des häufig als Bombastiker Geschmähten. Tristan schließt sich den Meistersingern an. Matthias KirschnereIt kombiniert diese Kleinodien sehr sinnig mit weiteren Wagner-inspirierten Preziosen.
Serenade
Piano Works by Amy Beach, Agathe Backer Grøndahl, Rebecca Clarke
Benjamin Engeli
Prospero Classical PROSP0121
1 CD • 72min • 2025
26.11.2025 • 10 9 9
Mit seinem neuen Soloalbum „Serenade“ widmet sich Benjamin Engeli der Klaviermusik dreier Komponistinnen. Agathe Backer-Grøndahl, Amy Beach und Rebecca Clarke, die im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert auf spätromantischen Pfaden wandelten, waren zu Lebzeiten hochgeschätzt. Erst im Zuge des Epochenumbruchs der aufkommenden Moderne fielen sie der Vergessenheit anheim. In seinem fein ausbalancierten Programm präsentiert der aus Basel stammende Pianist Engeli ihre Miniaturen, Balladen und Charakterstücke.
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Blackbird & Ancestors
Beth Levin Live in Concert
Mozart • Tiessen • Schubert
Aldilà Records ARCD 026
1 CD • 78min • 2024
11.11.2025 • 10 10 10
Unter den Händen von Pianistinnen und Pianisten der jüngeren bis mittleren Generation werden Franz Schuberts späte Klaviersonaten derzeit gerne zum Schauplatz der Extreme ausgebaut: mit kaum mehr hörbaren Pian-Pianissimo-Werten einerseits und emotionalen Entgrenzungen andererseits. In diesem Kontext ist es eine willkommene und in Vielem erhellende Abwechslung, mit Beth Levin einer Meisterin klassischen, nicht: klassizistischen Schubert-Spiels zu begegnen. Levin, Jahrgang 1950, zu deren Lehrern Marian Filar, Rudolf Serkin und Dorothy Taubman gehörten, legt hier den Live-Mitschnitt einer offenkundig hochkonzentrierten Münchner Aufführung aus dem letzten Jahr vor.
Fryderyk Chopin
Nocturnes
Marie François
Evil Penguin Classic EPRC 70
2 CD • 1h 48min • 2024
09.11.2025 • 8 9 9
Marie François präsentiert hier sämtliche Nocturnes von Frédéric Chopin in chronologischer Reihenfolge. Es handelt sich um das dritte Album der 31-jährigen Belgierin, die für dieses Projekt einen Monat in Warschau verbrachte, um die Werke genau zu studieren und ihre persönliche Beziehung zu dieser Musik zu vertiefen. Chopin komponierte seinen Reigen von 21 Nocturnes in den Jahren zwischen 1827 und 1846. An das nächtliche Musizieren unter freiem Himmel, einst beliebt im 18. Jahrhundert, erinnert nur noch der Name. Die Romantiker verlegten die Darbietung in den häuslichen Bereich – man erlebte die Nacht bei Kerzenschein am Flügel.
Mozart
Piano Sonatas K. 333 K. 457 K. 576 Fantasia K. 475
Christian Chamorel
Prospero Classical PROSP0122
1 CD • 60min • 2024
08.11.2025 • 10 10 10
Mozarts Klaviersonaten haben etwas Tiefgründiges, fast nicht Auszulotendes. Christian Chamorel holt die von ihm sorgfältig zusammengestellten Sonaten aus der reinen Beliebtheit und oft so gespielten Beliebigkeit und verleiht ihnen warme Lebendigkeit, Tiefsinn und doch auch reine Spielfreude. Mit Chamorel hört man allzu Bekanntes neu und aufregend.
Reflections
Mozart | Beethoven | Chopin
Joseph-Maurice Weder Klavier
Ars Produktion ARS 38 692
1 CD • 65min • 2025
04.11.2025 • 9 9 9
„Reflections“ nennt Joseph-Maurice Weder seine dritte CD: ein in der Tat wahrhafter Titel für die Art, wie dieser jetzt 37-jährige schweizerische Pianist spielt, der seine Karriere 2013 mit dem Gewinn des Swiss Ambassador’s Award gestartet hat, der weltweit gastiert und auch weltweit unterrichtet. Immer ist sein Spiel hörbar reflektiert, durch Überlegungen, Erwägungen, gedankliche Vertiefungen geprägt. Er will seine Hörer durch Vertiefen gewinnen, nicht durch Überrumpeln, will durch Ernsthaftigkeit überzeugen, nicht durch gleisnerische Virtuosität blenden. So wählt er für seine „Reflections“-CD die scheinbar nur heitere C-Dur-Sonate KV 330 von Mozart, von Beethoven die As-Dur-Sonate op. 110 mit ihrer „zarten Unsterblichkeit“ (Joachim Kaiser) sowie von Chopin die Sonate mit dem Trauermarsch, die Sonate in b-Moll op. 35.
Mozart The Travelling Whirlwind
Piano Sonatas
Michael Wessel
Ars Produktion ARS 38 378
1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2025
01.11.2025 • 9 9 9
Michael Wessel, Professor für Klavierspiel, Liedgestaltung und Methodik an der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth, hat seine geplante Gesamteinspielung aller Mozart-Klaviersonaten thematisch angelegt: „Mozart the poet“, „Mozart the Double-Faced“ und „Mozart the Progressive“ nennen sich die Folgen, die hier vorliegende ist betitelt mit „Mozart the travelling Whirlwind“: Mozart, der reisende Wirbelwind. Versammelt sind darauf die Sonaten, die Mozart 1775 auf der Reise über Mannheim nach Paris komponiert hat, einer Reise, die er ohne den Vater antrat, aber mit der Mutter, die während dieser Reise in Paris starb.
Perseus
Piano Works by Michael Ostrzyga
Christoph Schnackertz Piano
Spektral SRL4-24206
1 CD • 74min • 2025
24.10.2025 • 10 10 10
Der Titel dieser CD – Perseus – gibt schon einen Hinweis darauf, wo der Kölner Komponist Michael Ostrzyga nicht selten seine Inspiration findet: am Himmel. Bei Perseus handelt es sich um einen sogenannten Galaxiencluster, in dessen Zentrum sich ein schwarzes Loch befindet. Auch Titel wie IMPULSAR oder Far Side oft he Moon zeugen davon, das Ostrzyga hoch hinaus will, auch im übertragenen Sinne. Seine Werke zeichnen sich durch eine sehr individuelle Verbindung zwischen Konstruktion und Intuition aus. Zum einen beziehen sie ihren Kern oft aus dem Universum oder der Natur – wie etwa in den Zyklen Nordsee-Tagebuch I & II – zum anderen sind sie sehr durchdacht aber auch mit einer gehörigen Portion Intuition konstruiert und aus persönlichen Erlebnissen oder Begegnungen entstanden.
Alexandre Guerra
Variations on Edward Hopper
Fabio Martino Piano
dolce DOLC01
1 CD • 41min • 2024
10.10.2025 • 9 9 9
Verträumt, episch, melancholisch – man könnte viele Attribute bemühen, um Alexandre Guerras sanft fließende Klaviermusik zu charakterisieren. Und ja: Diese meditativen Charakterstücke lassen sich als atmosphärische Begleiter oder als Soundtrack für imaginäre Bilder auch hervorragend verwenden. Doch würde man damit vielleicht ihrer kompositorischen Substanz Unrecht tun, denn die Variations on Edward Hopper auf dieser neuen CD erweisen sich bei genauerer Betrachtung als weit mehr als illustrative Programmmusik.
Max Reger
inspired by J.S.Bach
Michael Schöch, piano
MDG 904 2369-6
1 CD/SACD stereo/surround • 62min • 2025
07.10.2025 • 10 10 10
Der 1985 in Innsbruck geborene österreichische Pianist und Organist Michael Schöch hat für seine neue CD Werke von Max Reger (1873–1916) ausgewählt, die dessen Verehrung für Johann Sebastian Bach besonders eindrucksvoll spiegeln. Das einzige Originalwerk des Albums ist zugleich das bedeutendste: Variationen und Fuge über ein Thema von J. S. Bach op. 81. Als Thema hat Reger das Oboenvorspiel der Arie „Sein‘ Allmacht zu ergründen“ aus der Himmelfahrtskantate BWV 128 gewählt, und daraus ein monumentales Klavierwerk entwickelt. Michal Schöch ist den hohen technischen und klanglichen Anforderungen der halbstündigen Komposition nicht nur gewachsen, es gelingt ihm auch, die enormen Spannungen nachzuzeichnen und dem Sinn des Werkes auf den Grund zu gehen.
For Piano ... or not?
Romain Nosbaum Piano
Ars Produktion ARS 38 686
1 CD • 61min • 2024
01.10.2025 • 9 10 9
Der aus der Schweiz stammende Pianist Romain Nosbaum stellt mit dem Motto seiner neuen CD „For Piano … or not?“ selbst die Frage nach dem Sinn von Klavierarrangements. Was in der Barockzeit dem Anverwandeln fremder Klangwelten und in der Romantik dem häuslichen Kennenlernen von Orchester-, Orgel- und Kammermusikwerken galt, trifft heute, im Zeitalter der beliebigen Aufzeichnung von Musik, vor allem das besondere Interesse von Liebhabern der Klavierkunst.
La belle époque des Geloso
Collection du Festival International Albert-Rouseel
CiAr Classics CC 024
1 CD • 69min • 2024
23.09.2025 • 8 8 9
„La belle époque des Geloso‟ ist die vorliegende Neuerscheinung überschrieben, und hinter dem Namen Geloso verbirgt sich tatsächlich eine ganze Musiker- und Künstlerfamilie, deren Wirken hier erstmals auf Tonträger erfasst wird. Eine kurze biographische Einordnung zu Beginn: 1844 kam Pénélope Bigazzi in Siena als Tochter zweier Opernsänger zur Welt; rasch erwies sie sich als musikalische Frühbegabung, speziell am Klavier. Nach dem Tod ihrer Mutter begannen im Alter von 13 Jahren ausgedehnte Konzertreisen durch Italien, Frankreich und Spanien, und schließlich ließ sich die junge Pianistin 1859 in Madrid nieder.
Femmes de Légende
Frauen als Muse | Women of Legend
Nareh Arghamanyan Piano
hänssler CLASSIC HC25026
1 CD • 75min • 2023
19.09.2025 • 10 9 9
Die armenische, heute in Wien lebende Pianistin Nareh Arghamanyan huldigt der weiblichen Kreativität. Auf ihrem Album „Femmes de Légende“ präsentiert sie Klaviermusik von Komponistinnen aus drei Jahrhunderten: von der Barockkünstlerin Anna Bon di Venezia, die am Hof von Bayreuth wirkte, bis zu Ilse Fromm-Michaels, Moderne-Verfechterin in den 1920er Jahren. Rund die Hälfte der insgesamt 14 kreativen Damen stammt aus Frankreich. Seit jeher hatten es Frauen es dort leichter als hierzulande, in den Institutionen des Musiklebens Fuß zu fassen. Von einer Tradition, die bereits im Barockzeitalter Musikerinnen in der Kapelle des Königs kannte, profitierte auch Louise Farrenc, die Mitte des 19. Jahrhunderts eine beeindruckende Karriere hinlegte: als Pianistin, Komponistin und weltweit erste Frau auf einer Musikprofessur.
Bachian Elegies
Musical Meditations for Uncertain Times
Michael Tsalka
paladino music PMR0143
1 CD • 60min • 2024
16.09.2025 • 8 9 8
Bachian Elegies – Musical Meditations for Uncertain Times ist das vorliegende neue Album des niederländisch-israelischen Pianisten und Cembalisten Martin Tsalka betitelt, und dies vor einem ganz konkreten Hintergrund: es handelt es sich um eines der (aus naheliegenden Gründen gar nicht einmal so wenigen) Alben, deren Entstehung und Konzeption eng mit der Coronazeit verknüpft ist. In diesem Falle fand Tsalka, der seinerzeit Anstellung an einer chinesischen Kunst- und Musikschule gefunden hatte, Trost und neue Motivation in der Musik Bachs, sich nicht zuletzt vergegenwärtigend, dass Bachs Leben selbst von Widrigkeiten aller Art durchzogen war, derer zum Trotz er sein gewaltig-zeitloses Œuvre schuf.
Rupert's Tears
Gabiz Reichert
Ars Produktion ARS 38 367
1 CD/SACD stereo/surround • 79min • 2023
07.09.2025 • 9 10 9
Die neue CD mit dem Pianisten Gabiz Reichert trägt den Titel „Rupert’s Tear“ und spielt damit auf die sogenannten „Bologner Tränen“ an, eine Benennung für Glastropfen, die einerseits hart und widerstandsfähig, andererseits zerbrechlich sind. Dies mag als Gleichnis gelten für kontrastierende künstlerische Zugänge, ohne dass damit eine besondere Originalität garantiert wäre. Der 1994 geborene schweizerische Pianist Gabiz Reichert hat sich darüber hinaus zum Ziel gesetzt, bei diesem Album dem Prinzip des „returning“, der Wiederkehr also, zu folgen.
Reflecting Moons
Music for two flutes • Music for piano • Works by Enjott Schneider
Ambiente-Audio ACD-3070
1 CD • 79min • 2024
06.09.2025 • 9 9 9
Musik als Brücke zwischen Welten, als Medium der Verständigung dort, wo Worte versagen – diese Vision durchzieht das gesamte Schaffen von Enjott Schneider. Der 75-jährige Komponist (ebenso Musikwissenschaftlicher und Lehrender) hat sein Leben der Überzeugung gewidmet, dass authentische Begegnung zwischen Kulturen nur durch tiefes Verstehen und respektvolle Annhäherung gelingen kann. Geht es doch darum, dem Fremden mit Demut zu begegnen, um aus dieser Haltung heraus Neues zu erschaffen. „Reflecting Moons“, diese neue CD-Veröffentlichung des Komponisten präsentiert retrospektiv sehr fein gearbeitete und subtil wirkende Kammermusik-Kompositionen, welche von zwei Querflöten und einem sehr versierten Pianisten hellhörig und sensibel für diese Aufnahme neu eingespielt wurden.
Beethoven
Piano Sonatas Opp. 14 31 57
Moritz Winkelmann
Berlin Classics 0303745BC
3 CD • 2h 46min • 2024, 2025
28.08.2025 • 9 10 9
Nun also auch Moritz Winkelmann: Auch er spielt alle Beethoven-Sonaten ein, diese Dreifach-CD ist der zweite Teil der Edition, alles soll zum 200. Todestag Beethovens, also im Jahr 2027, fertig sein. Winkelmann hat in Mannheim und in Baltimore bei Leon Fleisher studiert, er war Klavierprofessor in Mannheim und ist es derzeit in Stuttgart. Im zweisprachigen Booklet hat Winkelmann seine Gedanken zu den Sonaten niedergeschrieben, ausführlich, sehr persönlich und für den Hörer gewinnbringend.
Johann Sebastian Bach
Goldberg Variationen
Marcel Mok piano
Ars Produktion ARS 38 512
1 CD • 80min • 2024
20.08.2025 • 10 10 10
Wenn man bei Bachs Goldberg-Variationen die klaviertechnischen Schwierigkeiten hört, ist’s vorbei mit der Wirkung. Wenn man die Aufnahme mit dem deutsch-taiwanesischen Pianisten Marcel Mok hört, braucht man jedoch keine Sorgen zu haben: Er kann in dem Reigen der über 50 Aufnahmen dieses epochalen Klavierwerks bestehen und ein wichtiges Wort mitreden. Marcel Mok ist 1994 in Stuttgart geboren, hat unter anderem bei Bruno Canino in Italien studiert und in Paris am Conservatoire National Supérieur de Musique sowie an der Universität der Künste Berlin, wo er 2023 sein Konzertexamen mit Bestnote abgeschlossen hat. Diese CD ist seine Debut-CD: ein hörbares Ausrufezeichen!
Mystical Mozart
Jennifer Lim
Genuin GEN 25928
5 CD • 6h 42min • 2014, 2021, 2022, 2023
14.08.2025 • 9 10 9
Jennifer Lim hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt: ein Album mit allen 18 Mozart-Klaviersonaten. Das bringt sie nun beim Label Genuin heraus, wo auch ihre letzten Aufnahmen erschienen sind. Auf fünf CDs führt die koreanisch-kanadische Pianistin den Hörer durch das Mozartsche Klavier-Universum: von den experimentierfreudigen Stücken des 18-Jährigen bis zu den dichten, ausgereiften Sonaten der letzten Jahre. Im Konzertrepertoire stehen diese Kompositionen im Schatten der Klaviersonaten Beethovens. Es gibt bis heute nur recht wenige Gesamtaufnahmen. Als Referenzaufnahme gilt die Einspielung von Maria João Pires aus den Achtzigern.
Niels Wilhelm Gade
Ausgewählte Klavierwerke
Marie-Luise Bodendorff
Ars Produktion ARS 38 677
1 CD • 70min • 2024
07.08.2025 • 9 10 9
Der in Kopenhagen geborene dänische Komponist Niels Wilhelm Gade (1817 – 1890) wurde in weiteren Kreise bekannt mit seinem Opus 1, der 1840 entstandenen Ouvertüre zu Nachklänge aus Ossian. Einen wichtigen Schaffensschub erhielt er, als Mendelssohn seine erste Sinfonie 1843 in Leipzig aufführte. Daraus resultierte sein Engagement als Assistent beim Gewandhaus-Orchester, seine Nachfolge Mendelssohns nach dessen Tod 1847 und seine enge Beziehung zu Robert und Clara Schumann. Und wenn man heute seine Klavierwerke hört, dann fällt die Nähe zu deren Kompositionen auf, auch wenn Gade die Originalität eines Mendelssohn oder Schumann nicht erreichte.
Ground
Tamar Halperin
Neue Meister 0303805NM
1 CD • 43min • [2025]
05.08.2025 • 10 10 10
Tamar Halperin verarbeitet Musik von Bach bis Wollny auf ganz eigene Weise – sie mischt die Stile meisterhaft und bringt Cembalo, Klavier, Synthesizer, Wurlitzer-Orgel und Fender Rhodes zum Klingen. Eine faszinierende Klangwelt, die nur von ihrer unerschöpflichen Fantasie übertroffen wird.
Russian Music
The Koroliov Series Vol.XXVI
Nikolai K. Medtner Sergei Prokofiev Alexander Scriabin Piotr I. Tchaikovsky
Tacet 264
1 CD • 76min • 1992, 2021, 2022
01.08.2025 • 10 10 10
Das russische Klavierrepertoire wird oft auf die großen virtuosen Brocken – etwa von Mussorgski oder Prokofiev – reduziert. Oft genug gehen dabei Zwischentöne oder ungewöhnliches Repertoire unter. Auch unter einem einen anderen Aspekt ist diese Einspielung von Evgeni Koroliov hochinteressant. Seine mittlerweile 26. Einspielung in seiner eigenen Serie bei dem Label Tacet widmet sich Werken von Scriabin, Medtner, Tchaikovsky und Prokofiev: kleinen Charakterstücken und selten gespielten Werken, die oft im Schatten des großen Virtuosenrepertoires stehen.
Haydn Piano Works
Sonatas • Variations • Capriccio
Schaghajegh Nosrati
CAvi-music 4867555
1 CD • 70min • 2023
25.07.2025 • 10 10 10
Wenn eine Virtuosa wie Schaghajegh Nosrati, die ihrer Diskographie bereits eine exzellente Einspielung von Charles-Valentin Alkans Concert pour piano seul hinzufügte, das zu den absolut schwierigsten Werken der Klavierliteratur zählt, sich bekannten und seltener gespielten Werken Joseph Haydns widmet, darf man gespannt sein, was geschieht. Wird es ein romantisierendes Al-Fresko vom Blatt, oder nutzt sie ihre anschlagstechnisch reichen Fähigkeiten zu differenzierter Darstellung? Sie entschied sich für Letzteres und legte eine Aufnahme vor, der man durchaus Referenzcharakter einräumen muss.
Chopin
Sonatas 2 &3 • Ballade No. 1 • Berceuse • Nocturnes
Benjamin Grosvenor
Decca 487 0958
1 CD • 76min • 2024
22.07.2025 • 10 10 10
Der britische Pianist Benjamin Grosvenor kann bereits mit Mitte 30 auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Bereits mit 19 Jahren debütierte er bei den BBC Proms in einer ausverkauften Royal Albert Hall, seine Aufnahmen werden regelmäßig mit den wichtigsten Plattenpreisen ausgezeichnet und sowohl als Solist, Kammermusiker sowie in Recitals ist er weltweit auf den Bühnen zu Hause und spielt mit den großen Orchestern. Eine Besonderheit in seiner Karriere ist sicher auch, dass er bereits 2011 als jüngster britischer Musiker überhaupt und zugleich als erster britischer Pianist seit fast 60 Jahren einen Vertrag bei Decca Classics unterschrieb. Dieser Tatsacje ist auch seine neue Aufnahme zu verdanken, auf der er sich ganz der Musik von Frédéric Chopin widmet.
Schubert
Sonata D 664 • Sonata D 960 • Selected Dances
Natalia Ehwald
Prospero Classical PROSP0120
1 CD • 74min • 2023
16.07.2025 • 9 9 9
Dass Natalia Ehwald, die 1983 in Weimar geboren wurde, dort die Musikschule „Schloss Belvedere“ besucht hat und dann als 16-Jährige an die Sibelius-Akademie in Helsinki wechselte, lange Zeit, nämlich elf Jahre lang, bei Evgeni Koroljov in Hamburg studiert hat, macht sich bei dieser Aufnahme mit Werken von Schubert, deutlich bemerkbar: Sehr kontrolliert und ausgefeilt ist ihre Phrasierung und gedankentief, ja oft gedankenschwer ist ihre Interpretation.
New Music for Kunstharmonium and Piano
Obermüller - Ballestrem - Bröder - Schickedanz - Gilbert - Völker - Kolb - Zdralek - Michel - Pelzel
Duo Pianarmonio
Neos 12504
1 CD • 79min • 2020,2024
15.07.2025 • 9 10 9
Mit einer seltenen Besetzung wartet das Duo Pianarmonio auf: die Kombination Harmonium-Klavier ist, wie Ernst Breidenbach in seinem Vorwort betont, „vermutlich seit 100 Jahren kompositorisch nicht mehr ernsthaft weiterverfolgt“ worden. Dazu kommt, dass eine Riege heutiger Komponisten nun versucht, das ungewöhnliche Gespann in den Dienst der Neuen Musik zu stellen. Dass dabei allerlei experimentelle Ansätze zu erleben sind, macht den Reiz der neuen CD aus.
Mariam Batsashvili
Influences
Haydn | Mozart | Beethoven | Liszt
Warner Classics 5021732535177
1 CD • 68min • 2024
11.07.2025 • 9 10 9
Die hochromantische Klaviermusik von Chopin und Liszt hat für die 1993 in Georgien geborene und in Tiflis und Weimar ausgebildete Pianistin Mariam Batsashvili eine besondere Bedeutung: Sie hat die Franz-Liszt-Wettbewerbe in Weimar und in Utrecht gewonnen und ihre Debut-CD galt ebenfalls diesen beiden Komponisten. Ihre CD mit dem Titel „Influences“ möchte nun demonstrieren, dass sie nicht nur Liszt „kann“, sondern auch Haydn, Mozart und Beethoven. Sie möchte hier, wie sie im zweisprachigen Booklet zitiert wird, „zeigen, wie diese vier Komponisten die Sonatenform als Ausdrucksmittel genutzt haben“, und sie hat diese Sonaten chronologisch angeordnet, „damit die Hörer die Entwicklung erleben können.“
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