-
UA 1781
29
Januar
vor 245 Jahren
in München
Mit großen Hoffnungen und Erwartungen traf Mozart am 5.1.1780 in München ein, nachdem er den Auftrag von Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz erhalten hatte, zur Aufführung im Karneval 1781 eine Opera seria zu schreiben. Es war vielleicht die Gelegenheit, sich auszuzeichnen und eine Festanstellung als Kapellmeister am Münchner Hof zu erringen. Als Opernkomponist war Mozart längst kein Unbekannter mehr, auch wenn seine letzte vollendete Oper Il re pastore bereits fünf Jahre zurücklag. Die Wahl des Stoffes war Mozart vorgegeben: der griechisch antike Mythos von Idomeneus, dem König von Kreta, der auf der Rückkehr von Troja Schiffbruch erleidet und dem Meeresgott Poseidon schwört, ihm den ersten Menschen, den er trifft, zum Dank zu opfern, wenn er ihn aus der Seenot errettet. Unglückseligerweise begegnete ihm sein Sohn Idamantes als erster. Mit dem Libretto wurde der Salzburger Hofkaplan Abbate Giambattista Varesco beauftragt, das dieser aus dem Text von Antoine Denchet der französischen Vertonung von André Campra von 1712 in eine italienische Fassung umarbeitete. Wie stark die Komposition noch an die Tradition der barocken Opera seria angelehnt war, zeigt sich schon allein daran, dass die Partie des Idamante noch – als eine der letzten in der Opernliteratur – für einen Kastraten (del Prato, Alt) geschrieben ist. Mit dem Orchester des Kurfürsten, der durch Erbfolge 1778 von Mannheim in die Münchner Residenz umgezogen war, stand Mozart der beste Klangkörper seiner Zeit zur Verfügung, was dieser auch weidlich ausnutzte und in Umfang und Schwierigkeit der Partitur das Orchester mit seinem Dirigenten Christian Cannabich vor seine bisher schwierigste Aufgabe stellte. Mit dem Sängerensemble war Mozart dagegen weniger glücklich, wie sich aus dem Briefwechsel mit seinem Vater herauslesen lässt. Mozart trug sich sogar mit dem Gedanken, die Partie des Idomeneo für einen Bass umzuschreiben. Vater Leopold Mozart hatte grundsätzliche Bedenken, ob der Stoff und das langatmige Libretto überhaupt Aussicht auf Erfolg haben könnten „wegen der sogenannten Popularen“, aber Wolfgang war zuversichtlich, dass seine Musik das Publikum begeistern würde, sie sei „für aller Gattung Leute, ausgenommen für lange Ohren“. Leider behielt der Vater recht: die Aufführung erzielte lediglich einen Achtungserfolg, lobende Erwähnung fanden stattdessen die Ausstattung und die Bühneneffekte. Eine weitere Aufführung fand nicht statt und das Werk brachte Mozart auch nicht die erhoffte Anstellung, obwohl die Musik mit zum Besten zählt, was Mozart geschrieben hat. Für ihn selbst ist Idomeneo neben Don Giovanni sein liebstes Bühnenwerk geblieben. Eine Aufführung erlebte Idomeneo noch einmal 1786 im Wiener Palais des Fürsten Auersperg, allerdings als Dilettantenaufführung, für die Mozart selbst starke Kürzungen vornahm. Die Partie des Idamante schrieb er für Tenor um und komponierte eine neue Arie hinzu. Dennoch war Mozart mit seinem Idomeneo kein Erfolg vergönnt. An den Hofopern in Wien und Berlin wurde die Oper erst 1806 gezeigt. In der Folge wurde das Werk für diverse Inszenierungen verschiedentlich bearbeitet, u.a. von Ermanno Wolf-Ferrari (München 1931) und Richard Strauss (Wien 1931), wobei die Eingriffe durch Richard Strauss so massiv sind, dass sich diese Fassung nicht durchsetzen konnte. 1951 begründete Fritz Busch bei den Glyndebourne Festspielen eine Idomeneo-Tradition. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückte Idomeneo ins Repertoire der internationalen Opernhäuser auf, begünstigt durch die neue Mozart-Ausgabe (1972) und die Inszenierungen von Jean-Pierre Ponnelle (1971 Köln, 1978 Chicago, 1980 Zürich, 1981 Wien). Nicht nur die Titelrolle des Idomeneo, sondern auch die Rollen des Idamante und der Elettra zählen heute zu den wichtigen Fachpartien für Tenor und Mezzosopran bzw. dramatischen Sopran.
Anzeige
Alle Porträts im April
- 01.04.2016 → Ferruccio Busoni 150. Geburtstag
- 01.04.2017 → Scott Joplin 100. Todestag
- 01.04.2024 → Glenn Miller 120. Geburtstag
- 02.04.2023 → Johann Christoph Bach 320. Todestag
- 03.04.2018 → Franz Berwald 150. Todestag
- 03.04.2025 → Mario Castelnuovo-Tedesco 130. Geburtstag
- 03.04.2025 → Kurt Weill 75. Todestag
- 04.04.2017 → Salvatore Sciarrino 70. Geburtstag
- 05.04.2024 → Louis Spohr 240. Geburtstag
- 06.04.2020 → Johann Kuhnau 360. Geburtstag
- 06.04.2021 → Igor Strawinsky 50. Todestag
- 07.04.2018 → Cesar Bresgen 30. Todestag
- 07.04.2018 → Anton Diabelli 160. Todestag
- 08.04.2022 → Nicolaus Bruhns 325. Todestag
- 08.04.2022 → Giuseppe Tartini 330. Geburtstag
- 08.04.2023 → Gaetano Donizetti 175. Todestag
- 09.04.2017 → Matthias Georg Monn 300. Geburtstag
- 09.04.2023 → Sigfrid Karg-Elert 90. Todestag
- 10.04.2019 → Nino Rota 40. Todestag
- 10.04.2024 → Eugène d' Albert 160. Geburtstag
- 11.04.2016 → Alberto Ginastera 100. Geburtstag
- 11.04.2021 → Josef Lanner 220. Geburtstag
- 13.04.2016 → Franz Danzi 190. Todestag
- 13.04.2017 → Guillaume de Machaut 640. Todestag
- 13.04.2024 → Siegfried Matthus 90. Geburtstag
- 14.04.2017 → Mikhail Pletnev 60. Geburtstag
- 14.04.2023 → Josef Lanner 180. Todestag
- 14.04.2025 → Alexander Scriabin 110. Todestag
- 15.04.2018 → Johann Friedrich Fasch 330. Geburtstag
- 16.04.2023 → Federico Mompou 130. Geburtstag
- 16.04.2024 → Henry Mancini 100. Geburtstag
- 16.04.2025 → Leó Weiner 140. Geburtstag
- 17.04.2022 → Harald Saeverud 125. Geburtstag
- 17.04.2023 → Gregor Piatigorsky 120. Geburtstag
- 17.04.2024 → Johann Mattheson 260. Todestag
- 18.04.2015 → Giacomo Carissimi 410. Geburtstag
- 18.04.2016 → Ottorino Respighi 80. Todestag
- 18.04.2017 → Miklós Rózsa 110. Geburtstag
- 18.04.2019 → Franz von Suppé 200. Geburtstag
- 18.04.2024 → Cécile Louise Chaminade 80. Todestag
- 19.04.2022 → Germaine Tailleferre 130. Geburtstag
- 20.04.2019 → Carl Loewe 150. Todestag
- 22.04.2022 → Edouard Lalò 130. Todestag
- 23.04.2017 → Ruggero Leoncavallo 160. Geburtstag
- 23.04.2021 → Sergej Prokofjew 130. Geburtstag
- 25.04.2020 → Gottlieb Muffat 330. Geburtstag
- 26.04.2024 → William "Count" Basie 40. Todestag
- 27.04.2017 → Andreas Romberg 250. Geburtstag
- 27.04.2021 → Sigismund Thalberg 150. Todestag
- 27.04.2022 → Friedrich von Flotow 210. Geburtstag
- 27.04.2022 → Olivier Messiaen 30. Todestag
- 29.04.2022 → Manfred Gurlitt 50. Todestag
- 29.04.2022 → Carl Millöcker 180. Geburtstag
- 29.04.2024 → Duke Ellington 125. Geburtstag
Uraufführungen im April
- 08.04.2016 → UA vor 140 Jahren: A. Ponchielli, La Gioconda
- 09.04.2016 → UA vor 100 Jahren: M. de Falla, Noches en los jardines de España
- 19.04.2016 → UA vor 80 Jahren: A. Berg, Violinkonzert
- 24.04.2020 → UA vor 220 Jahren: J. Haydn, Die Jahreszeiten
- 27.04.2016 → UA vor 90 Jahren: G. Puccini, Turandot
- 27.04.2017 → UA vor 150 Jahren: Ch. Gounod, Roméo et Juliette
Anzeige
